Es muss nicht immer Kaviar sein!
Nachdem die letzten beiden Kulinarier sich eher im hochpreisigen Segment bewegten, Soi28 und Haifischbar, geneigte Leser und Leserinnen des Altstadt-Kuriers erinnern sich, nutzen wir die Gunst der Stunde und berichten über ein Lokal, welches unser Budget schonen sollte. So der Plan. Bei der Institution handelt es sich um den Bürkliplatz und der neuen Lokalität, um die des «Arnold Kiosk».
Der Bürkliplatz ist bekannt als zentraler Verkehrsknotenpunkt und beliebter Aufenthaltsort am unteren Zürichsee, an dem mehrere Strassen, Tramlinien sowie die Schifflände zusammenkommen. Das Ensemble mit der Bürkliterrasse und der Stadthausanlage dient als Markt-, Veranstaltungs- und Ausgangsort für die Zürichsee-Schifffahrt und wurde nach Stadtingenieur Arnold Bürkli (1833–1894) benannt. Ihre heutige Form entstand 1887 im Zuge der Rekonstruktion der Quaibrücke, nachdem die Stadt sich im 19. Jahrhundert zunehmend dem See zugewandt hatte.
67 Mitbewerber ausgestochen
Immer schon, so unser Gefühl, existierte auf dem Platz ein Kiosk. Jahrzehntelang die gleichen Betreiber. Mit ihrer Fan-Gemeinde. Darunter auch die Marktfahrer, Flohmarktbetreiber und viele mehr. Die hausgemachten Kuchen waren ein Renner. Ebenso die Betreiber selbst. Echte Charakter-Köpfe halt. Dies alles zu ersetzen, konnte nicht einfach werden und war wohl auch nie die Absicht hinter dem Konzept von Urs und Laurence Keller. Es sollte aber auch nicht einfach eine Kopie ihres zweiten Lokals am Hafen Enge werden, so Yves Keller.
Sie stachen mit ihrer Idee 67 Mitbewerber aus. Das will durchaus etwas heissen. Urs Keller war lange Zürichs bekanntester Metzger, von den Medien liebevoll «Würstlikönig» genannt. Erfinder des berühmten Wiedikerli. Der kreative Kopf hinter dem Arnold-Kiosk-Konzept ist Laurence Keller, die Tochter. Mit dem Verkauf der Metzgerei am Manesseplatz ging auch das Wiedikerli an die neuen Besitzer über. Dessen Nachfolger ist am ehesten das Zwingli. Mit der Zürcherli und dem groben Noldi, in Anlehnung an Arnold Bürkli, hat man zwei weitere Wurstspezialitäten im Angebot. Ergänzt wird dieses durch ein täglich wechselndes Menü, hausgemachte Salate und weitere feine Sachen.
Schönes, trockenes Wetter Voraussetzung! Wir brauchten mehrere Anläufe, bis unser kulinarischer Ausflug gelang. Man sitzt, wenn auch unter Schirmen, immerhin draussen. Entweder waren wir zu spät, das Wetter zu garstig oder die Küche schon ausgeschossen. Gegen Ende wurde es noch etwas knapp. Der Abgabetermin des Kulinariers rückte unerbittlich näher. Am Pfingstwochenende war es so weit. Am späteren Nachmittag fanden wir noch einen freien Tisch. Natürlich mussten es Zürcherli und Zwingli sein. Letztere ähnelt von Machart, zutaten und Konsistenz dem Wiedikerli. Das Zürcherli ist eine Brühwurst, die aber auch auf dem Grill landen kann. Beide werden mit einem kleinen, knusprigen und sehr wohlschmeckenden Bürli serviert. Je 7 Franken 50.
Sehr feine Salate, die Bürli aber klein
Dazu genossen wir einen hausgemachten Kartoffel- und einen feinen, ebenfalls selbst zubereiteten Tomatensalat mit Zwiebeln, zu je 6 Franken 50. Dabei hatte es uns insbesondere der Tomatensalat angetan. Köstlich! Gegen den Durst tranken wir zwei Glas spritzig, fruchtig und frisch schmeckender Grüner Veltliner zu 6.50 pro Deziliter. Summa Summarum kamen wir so auf 41 Franken. Zugegeben. Das Bürli könnte etwas grösser sein, die Würste etwas dicker, die Salate voluminöser. Nichtsdestotrotz finden wir es für zwei Personen im Rahmen. Insbesondere für Zürcher Verhältnisse.
Auf einen Kaffee haben wir verzichtet, was meiner Neugier geschuldet war. Am Nachbarstisch feierte eine Gruppe den Geburtstag von Jeanne. Es machte den Anschein, treffe man sich hier öfters. Was meine Nachfrage bestätigte. Man schätze die Ambiance und die Qualität des Angebotenen. Dass zu dieser Gruppe auch Yves Keller gehörte, der Sohn von Urs Keller, machte die ganze Sache dann noch rund.
Fazit: Es wird noch einige Zeit vergehen, die Fussspuren des alten Snacks & Grill, auszufüllen. Ob man das wirklich muss, sei dahingestellt. Kritikern sei gesagt, es wird sich alles noch eingrooven. Uns hat es gefallen, inklusive der Architektur des Gebäudes.
Arnold Kiosk am Bürkliplatz, Dienstag und Freitag ab 7 Uhr bis Closing, Samstag während Flohmarkt ab 7 Uhr bis Closing, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag ab 9 Uhr bis Closing, Lunch and later, 11 bis 14:30 Uhr, respektive 15 Uhr. Vom Grill 11 Uhr bis Closing. Bargeldlos, mit Karten, Twint ist möglich. Closing bedeutet übrigens, dass es keine fixen Schliesszeiten gibt. Kann 18 Uhr sein, durchaus aber auch 21 Uhr 50. Und wenn's regnet ist es nochmals anders.