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Ausgleich

Wenn sie an Spanien denken, was kommt ihnen dann in den Sinn? In Bezug auf die Menschen. Spanier. Ortsansässige. Aber auch jene im Ausland lebenden. Na? Was? Kann ihnen jetzt schon sagen! Zu weit. Sie suchen viel zu weit. Dabei ist es offensichtlich. Es gibt auch ältere. Spanier. Also über Zwanzigjährige. Deutlich älter sogar. Manchmal habe ich das Gefühl, im Schnitt sogar älter als Schweizer. Oder überhaupt. Man sagt, das liege am Fisch. Oder Olivenöl. Oder der Lebensfreude. Also an allem möglichen. An was es sicher nicht liegt? An den Apotheken in Spanien. Eigenerfahrung. Gestern.

Gehen sie mal in der Schweiz in eine Apotheke. Sie brauchen einen Waffenerwerbsschein. Mindestens. Auch, wenn sie nur irgendwelche Vitamin C Brausetabletten kaufen. Sie werden nur schon argwöhnisch beobachtet, wenn sie sich unbegleitet dem Regal mit den Tabletten nähern. Generalverdacht. Sie Ahnungsloser könnten sich ja versehentlich damit um die Ecke bringen. Und wenn sie sich dann zur Kasse begeben?

- (Streng!) Haben sie ein Rezept?
- (Ansatzlos leicht genervt) Wofür?
- (Strenger!) Für die Brausetabletten!
- (Genervt) Warum?
- (Kasernenton!) Haben sie eines?
- (Motzig) Nein!
- (Professoral tadelnd) Aha!
- (Einschmeichelnd) Brauche ich den eines?
- (Dozierenddieaugenverdrehend) KennenSiedasProduktnehmenSienochandereMedikamentewollenSiesichmitdiesenBrausetabletteneventualvorsätzlichumdieEckebringenoderjemandanderen?

Wenn sie dann entgegen allen Belehrungen dennoch auf das Produkt ihrer Wahl bestehen!

- (Unwirsch) Karte oder bar?

Wenn sie gerade am Bancomat waren und die Taschen gestopft voller Geld haben, wählen sie vermutlich bar. Bei den Medikamentenpreisen in der Schweiz tragen sie anschliessend nicht mehr sehr viel davon auf sich.

Gestern in Spanien. Ein leichtes Kopfweh vom Vorabend. Auf dem Morgenspaziergang eine hiesige Apotheke passierend. Warum also nicht die Erfahrungen aus der Schweiz hier mal gegenprüfen?

- (Sehr freundlich) Guten Morgen. So ein schöner Tag heute. Was kann ich für sie tun?
- (Vorsichtig, äusserst) Wie bitte was?
- (Lächelnd) Ach, es ist so ein schöner Morgen heute. Wie kann ich ihnen helfen?
- (Schüchtern) Ich habe ein klein wenig Kopfweh. Nichts schlimmes. Ich kenne den Grund und brauche sehr wahrscheinlich keine Magnetresonanztomographie. Ich kenne die gängigsten Produkte, bin mit deren Umgang vertraut und gedenke mich nicht zu vergiften und auch keine anderen Personen. Ich bin über 18, habe einen Führerschein und es liegt nichts gegen mich vor. Zudem ist Bargeld in genügender Menge vorhanden und ich nehme auch keine schweren Drogen oder ähnliches.
- (Auch lächelnd) Ach! Sie kommen aus der Schweiz. Wie gefällt es ihnen den hier bei uns? So ein schöner sonniger Tag und sie armer haben Kopfweh. Da wollen wir doch gleich etwas dagegen unternehmen. Ich empfehle Ihnen hier dieses Medikament (in einer Dosierung, an die sie in der Schweiz nicht mal als studierter Arzt kommen!!) Es kostet nur eineurovierzig in der 40er Packung.
- (Ungläubig) Äehm, ja, wenn sie es sagen. Wie viele darf ich den davon nehmen?
- (Mitfühlend) Na, so viel, bis das Kopfweh weg ist. Aber vielleicht nicht gleich die ganze Schachtel auf einmal (grinsend).

Jetzt könnte man ja meinen. Bei so einem lässigen Umgang mit solch potentiell tödlichen Medikamenten ist die Lebenserwartung in Spanien eher tief. Ungefähr so wie die eines nicht korrupten Polizisten in Tijuana, Mexiko. Aber nein. Auf meinem Spaziergang begegneten mir viele ältere Spanier. Auch Abends im Restaurant. Und danach in der Bar. Sehr lustig. Und trinkfreudig.

Kein Wunder, bei diesen Medikamentenpreisen. Übrigens. Es waren auch einige wenige Schweizer in der Bar. Mit deutlich weniger Freude. Man sah es im Gesicht. Wir kamen trotzdem ins Gespräch. Auch über die Berufe, welche man so ausübt. Raten sie mal. Es war ein Apotheker




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