Abgründe, menschliche. Und andere


Ehe wir mit dieser Geschichte beginnen noch eine kleine Anekdote. Letztens waren besser Hälfte und ich, an eine Geburtstagsparty eingeladen. Bei wem genau und an welchem Ort ist erstmal nicht so wichtig. Die Person, die uns eingeladen hat, zählt zum engeren Freundeskreis der besseren Hälfte und hat sich kürzlich persönlich verändert. Beziehungsmässig. Also nicht nur. Aber das war schlussendlich der Auslöser. Verändert hat sich unter anderem auch die Wohnsituation. Back to the roots würde ich es nennen. So wie damals, als wir alle mal jung waren und zum ersten Mal das schützende Zuhause verliessen. Erinnern sie sich noch an ihre erste Wohnung? Oder WG. Egal wie gross, egal wo und egal in welchem Zustand. Hauptsache selbstständig. Was dazu führte, dass die meisten von uns in einer Höhle lebten, nicht grösser als ein Hamsterkäfig.
Über die Jahre hat man sich dann verbessert. Beruflich. Beziehungsmässig und auch in Sachen Wohnung. Die wurde mit jedem Wechsel, des Partners oder der Wohnung, ein bisschen grösser. Bis dann zum grossen Knall. Letztens. Jetzt wieder Hamsterkäfig. Trotzdem waren wir eingeladen. An den Geburtstag. Wir. Alle. Viele. Viele in einem kleinen Hamsterkäfig. Jetzt bin ich eher so der Typ Mensch, der an solchen Partys sich weniger auf die Anwesenden wirft. Aufs Buffet auch nicht. In der Regel schnappe ich mir ein Glas und stehe dann desinteressiert an einer strategischen Ecke rum und warte, was mir so vor die Flinte läuft. Also im übertragenem Sinne. Nicht dass jetzt unnötig Unruhe entsteht. Weil auch besser Hälfte diese Geschichten liest. Aber weil Hamsterkäfig, war es gar nicht so einfach. Eine Stelle zu finden. An der man in Ruhe desinteressiert rumstehen konnte. Wollen Sie genau wissen wie eng es war? Ich musste mir die Nase schnäuzen. Zu diesem Zweck führte ich ein Taschentuch an selbige. Getraute mich dann aber nicht zu schnäuzen, weil latent das Risiko bestand, etwas von meinem Inneren landet im Ausschnitt einer der zahlreich anwesenden Damen. So eng war es. Darum schniefte ich es hoch und schluckte es runter. Pardon. Aber man schluckt ja so einiges im Leben. Also im übertragenen Sinn. Quasi.
Letztens schrieb ich eine Geschichte über Rucksäcke. Sie erinnern sich. Darum hatte ich bei meinem Kundenbesuch keinen Rucksack dabei, sondern neben meiner Aktentasche auch noch einen Weekender. Ein Weekender ist eine kleine Reisetasche mit Platz für was man halt so für ein Weekend braucht. Ich stehe auf diese alten, schönen Ledertaschen. Solche, die Mann noch tragen muss oder kann. Wenn er denn kann. Der Mann. Weil ich wusste, ich komme nicht mehr nach Hause sondern gehe nach der Arbeit gleich zum Flughafen. So lief ich denn los heute Morgen. In der Absicht. Meinen Weekender irgendwo strategisch zu platzieren. In einem Schliessfach. Was mir schlussendlich misslang. Weil zeitlich zu knapp dran. So schlug ich, bepackt wie ein Muli, bei meinem Kunden ein. Auf! Ich schlug auf. Jetzt muss man etwas wichtiges wissen. Beruflich bin ich, unter anderem, auch für Krankenhäuser zuständig. Und ähnlichem. Das Ähnliche war heute eine psychiatrische Klinik. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich nicht. Der Busfahrer, der mich dort hin fuhr vermutlich schon. Als ich mit meiner Reisetasche den Bus betrat und höflich um eine Auskunft bat. Ob denn er mit seinem Bus zu eben dieser psychiatrischen Klinik führe. Was würden sie denken, frägt einer nach einer Klinik, mit einer gepackten Tasche in der Hand? Genau. Das dachte er wohl auch. Und die ca. 25 anderen Passagiere schlossen sich ihm an. Armer Irrer. Viel mir zuerst gar nicht auf. Weil ich auf so etwas nicht wirklich achte. Bewusst wurde es mir erst nachher. Weil man mich mit einem süffisantem Lächeln auf den Lippen fragte, ob ich gleich bleiben wolle. Nach meiner Präsentation. Und dabei auf das Reisegepäck schielte.
Ganz lustig wurde es anschliessend auf meiner Rückreise. Weil wieder Bus. Und gleicher Fahrer. Mich mit grossen Augen anstarrend. Wohl weil ich mir beim betreten des Busses nicht die Bemerkung verkneifen konnte; „es ist wohl doch nicht so schlimm wie ich dachte.“ „Sie wollten mich nicht behalten.“
Ich schwöre! Der Bus fuhr auf der Rückfahrt schneller. Das habe ich mir nicht nur eingebildet.




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