Direkt zum Hauptbereich

Abgehoben

Jetzt muss man wissen. Ich, als wir, bessere Hälfte und ich, haben kein Auto. Zwar einen Führerschein. Das schon. Aber beide kein Auto mehr. Wir fahren ÖV. Einer unserer persönlichen Beiträge zum Thema Umweltschutz. Dafür erlauben wir uns. Ab und an Mal. In ein Flugzeug zu steigen. Also nicht gerade jeden Tag. Aber doch hin und wieder. Nur das jetzt nicht gleich wieder Aufschrei. Und so. Von wegen ökologischer Fussabdruck. Ich trage 48. Mein Abdruck also eh schon. Wir tragen auch kein Pelz. Ernähren uns vernünftig. Heisst kaum Fleisch. Aber wenn, dann ein gutes Stück. Von einem Rind, das ich persönlich beim Vornamen kannte. Und ich davon überzeugt wurde, es konnte anständig leben und hatte einen erträglichen Tod. Wobei. Wie kann der Tod jemals erträglich sein? Egal was vorher war. Aber lassen wir das. Es geht ja eigentlich ums Fliegen.

Weil. Dieses Mal hatten wir grosses Glück. Erfuhren nach unserer Buchung ein Upgrade in die Business Class. Wir fliegen nie Business. Darum war die Freude umso grösser. Wegen des Rituals. Bessere Hälfte hat Flugangst. Darum, wenn wir uns in ein Flugzeug setzen, haben wir es uns zum Ritual gemacht. Immer. Früh genug am Airport. Schleusen durch die Security und setzen uns in eine Bar. Für ein kleines Gläschen. Oder zwei. Wegen der Flugangst. Die dann zwar nicht weniger. Aber erträglicher. Vermutlich bekommt das Rind, dessen Fleisch wir essen, vor der Schlachtung auch ein, zwei Gläschen. Ändert nichts am Resultat. Peng und aus und auf dem Teller. Macht es aber vielleicht erträglicher. Für das Rind. Und die Menschen, die sich das einbilden.
Darum freuten wir uns. Weil Upgrade auf Business heisst auch Lounge. Wir durften vor dem Abflug in eine Lounge. Jetzt hört man von den Businessfliegern ja so einiges über diese Lounges. Quasi Paradies auf Erden. Alles voller Jungfrauen, die einem unentwegt göttlichen Speis und Trank servieren. Mit einem Lächeln im Gesicht. Welches Berge versetzt. Und Gletscher zum schmelzen bringt. Auch so ein Tabu. Heutzutage. Schmelzende Gletscher. Lounge. Speis und Trank. Gratis. Obendrein sei alles auch noch gratis. Hört man. Darum gross. Die Vorfreude.

Vielleicht lag es am Wochentag. Oder an irgendwelchen anderen Umständen. Aber an irgendetwas lag es wohl. Warum? Kennen sie Zürich? Insbesondere den Busbahnhof? Wir hier nennen es den Carparkplatz. Gleich hinter dem Hauptbahnhof. „Hinter dem Hauptbahnhof“ sagt schon so einiges. Finden sie nicht? In manchen Städten werden sie "Hinter dem Hauptbahnhof" meistens erschossen. Überfallen sicher. In Zürich nicht ganz so schlimm. Aber fast. Auf diesem Carparkplatz hat es, sagen wir mal, eine bestimmte Klientel Menschen. Ich will jetzt auf keinen Fall abschätzig. Wirklich nicht. Bin auch schon. Gefahren. Mit einem Car. Also Bus. Einmal. In Schweden. Weil ich musste. Das nächste Mal laufe ich. Zu Fuss. Mehr sage ich nicht. Auch wenn es eine Woche dauert. Anstelle zweier Stunden. Egal. 

Carparkplatz. Immer überfüllt. Immer laut. Immer etwas schmuddlig. Eine bestimmte Klientel Menschen. Jetzt Flughafen. Zürich. Als wir am Flughafen die Lounge betraten? Frohen Mutes? Von wegen unserer Vorstellungen? Carparkplatz! Aber so etwas von. Es war überfüllt. Es war laut. Es war schmuddlig. Nur erschossen wurden wir nicht. Aber anderweitig. Wenn Blicke töten könnten. Nur weil ich mir erlaubte zu fragen. Ob der Platz hier evtl. bald frei werde. Von genug Sitzplätzen keine Spur. Jungfrauen sowieso nicht. Immerhin. Es war gratis. Also nicht jammern. Aber diese Geschichten? Von den Businessfliegern? Paradies? Wohl eher im Reich der Fabeln.

Fliegen sie Economy. Und gehen sie mit dem gesparten Geld ausserhalb der Lounge an eine Bar. Ist zwar nicht ganz gratis. Aber es hat Jungfrauen. Lächelnde. Und Männer. Auch lächelnde. Zumindest in Zürich.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Kreis schliesst sich

Eigentlich, ja eigentlich, wäre jetzt Ruedi an der Reihe gewesen. Leser meiner Geschichten erinnern sich vielleicht noch an ihn. Ruedi hat mich mit seinen Ratschlägen und Geschichten eine zeit lang durch mein Leben begleitet. Und auf einmal war er verschwunden. Lange Zeit blieb er unsichtbar. Aber letztens stand er wieder im Tram und lächelte mir zu. Aus einer gewissen Distanz. Aber er war es. Ich bin ganz sicher. Weil, Ruedi hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Vater. Also optisch. Vom Aussehen her. Und mein Vater lebt ja schon lange nicht mehr. Darum fällt er mir auch immer wieder auf. Spannend ist auch, dass ich ihm in letzter Zeit auf eine gewisse Art immer wieder mal begegne. An ihn erinnert werde. Das hat wohl mit meinem Alter zu tun. Sogar im Beruf passiert mir das. Wie letzthin in Bern. An einer grossen Konferenz unserer Branche. Dabei hatte mein Vater doch so gar nichts mit IT am Hut. Die gab es so seinerzeit auch kaum. Eine Eigenschaft von ihm ist mir noch besonders im Gedä…

Cosa Nostra

Es ist eigentlich keine grosse Sache. Knapp 7 Stunden. In Kilometern absolut überschaubar. Das findet auch der Schalterbeamte der SBB, der uns die Ticket ausstellt. Das ginge ruckzuck. Quasi eine Verbindung. Nur winzige zweimal umsteigen. In Milano und Genova. Retour das Selbe. Nur umgekehrt. Natürlich. Er könne uns da eine ausgezeichnete Verbindung offerieren. Kürzeste Aufenthalte in Milano und  Genova. 20 Minuten maximal. Da, spätestens da hätten sämtliche Alarmglocken schrillen müssen. Weil, Pustekuchen. 20 Minuten. Hin ging es ja noch. Weil SBB. Bis Milano. Sprich Verspätung minimal. 15 Minuten oder so. Wir natürlich erstens ganz hinten im Zug. Und auf Gleis 3. Der Zug nach Genova? Gleis 20. Umsteigezeit? 5 Minuten. In Milano. Kennen sie den Bahnhof Milano Centrale? Da passt Zürich HB dreimal rein. Mindestens. Und wir natürlich nicht die Einzigen. Die umsteigen wollten und die sich im Bahnhof aufhielten. Zumeist Italiener. Jetzt! Der Italiener an und für sich relativ relaxed. Als …

Kritische Grösse

Ich bin dann mal weg. In den Ferien. Nicht lange. Nur ein paar Tage. Mit meinen zwei jüngeren Söhnen. Noch einmal den Sommer etwas verlängern. Wobei der sich ja selber. Immer wieder. Verlängert. Letzte Woche hiess es noch Schnee. Also in den Bergen. Nicht in Zürich. Zwar...

Der Zeitpunkt unserer Ferien nicht von ungefähr. Herbstferien. In der Schule. Der Jüngste noch schulpflichtig. Und im Geschäft auch etwas ruhiger. Aber? Es ist nicht der einzige Grund. Ab Sonntag kehrt in der Stadt generell wieder etwas Ruhe ein. Weil Film Festival am Ende. Zu! Also zu Ende. Nicht dass noch Gerüchte entstehen.

Gerüchte gäbe es ja zuhauf. Auch über Schnee in Zürich. Die letzten Tage. Man behauptet. Die erhöhte Konzentration von Schnee, sprich Kokain, sei an Wochenenden sogar im Zürcher Abwasser nachweisbar. An kulturellen Anlässen? Wie das Film Festival? Und anderen? Sowieso. Sagt man.

Überhaupt. Das ZFF. Polarisiert. Wie der Hafenkran. Die Einen finden's toll, die Anderen überflüssig. Die, die&…