Männerträume

Ich weiss ja nicht, ob es ihnen wirklich bewusst ist. Weil. Es gibt ja solche und solche. Wirklich. Ich schwör. Sowieso wenn sie die Fünfzig überschritten haben. Dann gibt es eigentlich fast nur noch solche. Die meisten haben dann nämlich ihren, sagen wir mal, Lebensschaden weg. Und sind, nun ja, etwas schwierig im Umgang. Frauen, die sich in diesem Umfeld tummeln, weil wieder auf der Suche. Nach Unterhaltung, oder was auch immer, die werden ihnen etwas darüber erzählen können. Fragen sie mal eine. Wobei, fragen werden sie gar nicht müssen. Die erzählen ihnen das dann schon ganz von selber. Also solche und solche. Wie bei den Velofahrern. Da gibt es auch unterschiedliche. Ich will das jetzt gar nicht an der Schweiz oder Zürich fest machen. Mehr so in Bezug auf Nationalität. Weil, auch wenn in der Schweiz alle auf den Velofahrern rum hacken. Von wegen Rüpel und keinen Anstand und Regeln schon gar nicht. So sind Schweizer Velofahrer, auch die in Zürich, sagen wir mal, gesittet. Sie können, ohne Probleme, in Zürichs Norden losfahren. Mit dem Ziel Tiefenbrunnen. Quer durch die Stadt. Und sie kommen an. Lebend. Sogar unbeschadet. Relativ zumindest. Vielleicht hat man sie irgendwo dazwischen mal angespuckt. Oder geflucht. Mit Schimpftiraden eingedeckt. Vielleicht auch mal mit dem baldigen Ende ihres ach so jämmerlichen Velofahrerlebens gedroht. Aber sie kommen an.
Wir waren in Amsterdam. Bessere Hälfte und ich. Weekend Trip. Zum ersten Mal. Beide. Also wir waren beide dort, gleichzeitig und beide zum ersten Mal. So. Hörensagen. Vorher. Von Bekannten. Da hin und dort hin und hier hin auch. Unbedingt. Jetzt muss man wissen. Wir sind beide ausgesprochen visuelle Menschen. Wir sehen. Mit den Augen. Wie alle anderen auch. Aber wir sehen auch mit der Nase und den Ohren. Wie das denn geht? Kann ich nicht erklären. Ist einfach so. Spannend sowieso. Und zu Sehen gibt es viel. Nicht nur in Amsterdam. Aber auch. Darum waren wir mit allen Sinnen überall. Und was wir alles gesehen haben. Menschen hinter Fenstern. Menschen in Booten, Menschen in Schlangen vor Museen. Menschen in Schlangen, einfach so. Sich gegenseitig am Hintern fassend. Und Menschen auf Velos. Also Fahrrädern. Die sahen wir auch. Waren nicht zu übersehen. Weil viele. Sehr viele. Mehr als in Zürich. Die sahen wir. Also eigentlich nicht. Eigentlich hörten wir die. Zuerst. Weil wir halt vieles anderes sahen. Und dabei standen. Meistens im Weg. Ich glaub man hat noch nie so viel Fahrradklingeln gehört. In Amsterdam. An diesem Wochenende. Drei Tage lang. Klingelte es. Mir sogar heute noch. In den Ohren.

Zurück in Zürich. Am See. Ein Velofahrer, der mir auf dem Spazierweg entgegenkam. Und sich entschuldigte. Bei mir. Weil er auf dem Gehweg fährt. Ohne klingeln...

Ich hätte ihn am liebsten geküsst. Hat er gemerkt. Den Kopf geschüttelt und weg war er. Nicht ohne mich als Spinner zu betiteln.

Ich liebe ihn trotzdem


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