Endcool

Letztens habe ich von der Reise nach Italien berichtet. Hin und zurück. Das dazwischen lies ich mal aussen vor. Weil Geheimtipp. Also dieser Ort, an den ich schon seit mehreren Jahren immer wieder mal fahre. Dachte ich zumindest. Entweder nämlich im tiefsten Winter. Dann, wenn ich genug habe von Bergen und Schmuddelwetter. Wenn Weite angesagt ist und das Licht des Mittelmeers. Dann allerdings zu kalt. Das Wasser. Reicht gerade für den grossen Zeh. So aus Prinzip. Damit ich's behaupten kann. Ich hätte es getan. Am 23. Dezember. Den grossen Zeh im Meer gehabt. Also nach aussen tönt's dann ein wenig anders. Schwimmen. Ich war dann im Meer schwimmen. Ich schwör. Während sich die anderen in der Schweiz eine Schlacht liefern. Um die besten Plätze am Glühweinstand. Oder die schönsten Tannen für den Weihnachtsbaum. Dann sitze ich gerne noch einmal unter Palmen.
Oder dann im Hochsommer. Wenn mir nichts anderes mehr einfiel. Und das Geld für einen dreiwöchigen Seychellen Urlaub nicht reicht, weil Mischpoke. Sprich Kind und Hund und Katz und Kegel. Mehrere Kinder. Dann gerne auch im Hochsommer. Wenn's noch Platz hat. Was es lustigerweise immer wieder hat. Nicht am Strand. Aber zum Schlafen. In festen vier Wänden. Nicht im Schlafsack am Strand. Dafür zu gebrechlich, mittlerweile. Der Hund. Nicht ich.
Also kurz und gut. Ich kenne den Ort Sommers wie Winters. Nicht im Herbst. Im Herbst war ich noch nie. Dieses Jahr erstmals. Und sie werden's nicht glauben. Wetter wie im Sommer. Sonne satt. Nur nicht mehr ganz so glühend heiss. TipTop halt. Wasser? Wie zuhause in der Badewanne. Wirklich noch angenehm. Also ohne den Bauch bis zur Wirbelsäule einzuziehen, wenn das Wasser steigt. Über den Bund. Der Badehose. Das Beste? Kaum noch Leute. Zwar nicht mehr ganz alle Restaurants offen. In der zweiten Reihe lückt es schon. Vorne am Meer noch alle. Aber die wichtigsten zwei, drei und drei, vier Bars, die haben noch offen. Und Zeit. Die Leute haben Zeit. Nach dem zweiten Tag in der gleichen Bar? Quasi Einheimischer. Fast. Am dritten weiss man was sie trinken und essen. Wunderbar. Nach dem vierten Tag wollen sie gar nicht mehr nach Hause. Also ich zumindest.
Jetzt wegen des Geheimtipps. Kennen sie Lyon? Immerhin zweitgrösste Stadt Frankreichs. Sagt Lyon. Marseille sagt das auch. Darum Lyon und Marseille wie Zürich und Basel. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Also. Kennen Sie's? Nein, nicht dem Namen nach. Waren sie schon einmal dort? Persönlich selber? Aha! Lustigerweise nämlich nicht. Zumindest nicht die Leute in meinem Umfeld. Dabei liegt Lyon eigentlich sogar näher. Als der Geheimtipp. Ich persönlich finde Lyon das schönere Paris. Niemand aus der Schweiz geht hin. Voila! Geheimtipp. So kann es auch bleiben.
Das dachte ich von Camogli eigentlich auch. Vielleicht zu Nahe an Genua. Dann ist es vielleicht zu dreckig. Aber zu weit weg von Portofino. Darum, wenn schon, dann gleich nach Portofino. Aber Camogli? Geheimtipp. Im Winter. Und im Sommer. Im Sommer Italiener. Nicht nur die eigenen. Auch viele andere. Aus ganz Italien. Der Strand in Camogli? Der ist relativ. Relativ übersichtlich. Von der Grösse her. Im Sommer, da steht Einer an einem Ende. Und alle 15 Minuten ruft er. "Umdreeeeeehen!" Ich schwör! Dann dreht sich der ganz Strand vom Bauch auf den Rücken. Weil kein Platz. Also so viel Italiener. Alle Viertelstunde. Das ist wenn die Kirchenglocke die Anzahl der vollen Stunden schlägt. Erst. Und dann die Anzahl der entsprechenden Viertelstunde. Sie erinnern sich. Um 12.45 Uhr als erst 12 mal und dann 3 mal. Und nicht 45 mal, wie ich aufgrund meiner letzen Geschichte einer Kollegin erklären musste. Sie war schon ein wenig angeschickert. Zu Ihrer Verteidigung. 45 mal..... Meine Fresse.
Also. Im Sommer ist es voll. Sehr. Im Winter ist es leer. Auch sehr. Nur ein paar arme verhuschte Seelen auf der Suche. Nach sich, dem Sinn des Lebens, einem neuen Partner, dem Glück..was auch immer. Aber im Herbst? Übersichtlich. Absolut. Am ganzen Strand vielleicht 50, 60 Personen.
Schön, dachte ich, als wir ankamen. Wirklich noch ein Geheimtipp.
Bis Abends. Im Restaurant. Da sassen alle 50 im selben. Und ich hätte es ahnen können. Vom Auftreten her. Als wir näher traten und den letzten Tisch in Beschlag nahmen. Umgangssprache? Sogar die der Kellner? Schweizerdeutsch. Nahezu ausnahmslos. Basler Dialekt überwiegend. Und Thurgauer. Endcool wäre das Wort, welches ein guter Bekannter von mir brauchen würde.

Und von wegen Geheimtipp. Also wenn Camogli, dann bitte im Winter. Und nicht alle auf einmal. Nicht das die verhuschten Seelen... Sie verstehen?

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