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Sommer

Er war schier unendlich, nicht wahr? Haben Sie auch das Gefühl? Er nahm und nahm kein Ende. Ich träumte schon in italienisch. Wenn ich's denn tue. Träumen. Weil, es kommt mir spanisch vor. Wenn ich in italienisch träume. Spannend, gell?
Nicht dass ich mich beklagen möchte. Auch wenn es einem den Schweiss raus trieb wie Weiland Iberer die Araber aus Spanien. Man kann ja auch dreimal täglich ein Hemd wechseln. Wenns sein muss. Erwin freut sich. Erwin ist der Inhaber der Wäscherei, in denen ich meine Hemden platziere. Diesen Sommer in kürzeren Abständen als auch schon.
Er war wirklich schön. Und die Temperaturen hier eigentlich nichts, gegen die 52° Grad im Death Vally, während unseres Besuches im Juli. Da steigen sie aus dem klimatisierten Auto aus und haben das Gefühl, in eine Friteuse zu fallen. Eine, die an ist, wohlgemerkt. Also nicht jammern. Der und insbesondere dieser Sommer, hatte auch viele schöne Seiten. Auch wenn man in der Altstadt direkt unter dem Dach wohnt. Dafür aber eine kleine, feine Dachterrasse sein eigen nennen darf. Die wurde kurzerhand zu einem weiteren Zimmer der Wohnung und ausgiebig genutzt. Besonders oder ausschliesslich Nachts. Weil tagsüber Death Vally. Sie verstehen? Leider hat unsere Dachterrasse nur beschränkte Aussicht. Weil nicht wirklich ganz oben auf dem Dach, sondern ins Dach eingebaut. Auf der Rückseite des Hauses. In den Innenhof. Aber nach oben? Nach oben unbegrenzt. Wenn nicht gerade der Helikopter der Rega zum Unispital flog. Aber man kann nicht alles haben. Beschränkte Aussicht auch tagsüber im Tram. Die mitunter dafür speziell. Je heisser der Sommer, desto leichter die Bekleidung. Aller. Auch der Männer. dagegen ist ja prinzipiell nichts einzuwenden. Aber jetzt haben die meisten Frauen den Männern gegenüber einen Vorteil. Die Füsse. Frauenfüsse? Pedicure sag ich nur. Also ein unbestrumpfter Frauenfuss in einer offenen Sandale? Man schaut als Mann schon gar nicht mehr hin. Ausser die Fetischisten vielleicht. Aber ein nackter Männerfuss? Eines älteren Mannes? Der Pedicure nur vom Hörensagen kennt? Meine Fresse. Bilder in meinem Kopf, die ich nur schwer wieder losbekomme. So wie letztens. An einem der letzten wirklich heissen Tage. Er war ungefähr 70. Der ältere Herr. Seine Füsse vermutlich 120. Und hatte sehr wahrscheinlich noch nie etwas von Pedicure gehört. Oder Nagelschere. Ich konnte gar nicht hinsehen. Nach dem ersten mal. Man war versucht, ich zumindest, einen dezenten Hinweis an den Herren zu richten. Aber man will ja keinen Ärger. Wohin also mit meinem Blick? Zum Glück stieg eine etwas jüngere Dame ins Tram. Sommerlich leicht bekleidet. Das Kleid, welches ihr wirklich gut stand, muss man sagen, hinten relativ weit ausgeschnitten. Also nicht so weit, wie sie jetzt vielleicht denken. Mitte oberer Rücken. Besagte Dame setzte sich auf den Sitz vor mir. Und damit genau in die Blickrichtung des älteren Herren.

Innerliches Aufatmen. Meinerseits. Und strebte an, quasi zur Erholung, meinen Blick auf den unbekleideten Rücken der jüngeren Dame vor mir fallen zu lassen.

EIN MITESSER! Kennen sie Schweden. Im Sommer? Was hat es da? Genau. Mücken. In Massen. Und nicht etwa solche wie bei uns. Nein. Die haben die Grösse einer veritablen Drohne. Haben sie's? Das Bild der Drohnen-Mücken im Kopf? Gut. Dann kommen wir zurück zum Mitesser. Und dessen Grösse.

Ich wechsel nicht oft den Platz im Tram. Aber ich musste. Weil, wissen sie, die Grösse des Mitessers ist das Eine. Aber ich hätte ihn zu gern ausgedrückt. Er schrie danach. Ich schwör. Darum nichts wie weg.

War aber auch gut so. Weil sonst hätte ich ihn gar nicht gesehen. Oder vielleicht erst später. Aber noch nicht an diesem Tag. Er stand ganz hinten. Den Blick auf mich gerichtet. Ein kleines, feines Lächeln im Gesicht. Und braungebrannt.

Ruedi. Ruedi ist wieder da. Das kann ja heiter werden.


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