Direkt zum Hauptbereich

Wenn einer eine Reise tut

Ein einfaches Gemüt. Eigentlich. Wirklich. Ich schwör. Fragen sie mal bessere Hälfte. Also die aktuelle. Nicht die von früher. Die vermutlich anderer Meinung. Aber jedem das seine. Eigenwahrnehmung? Einfach! Ich schwör.
Von mir kann man alles haben. Leider. Ich neige dazu, zu wenig nein zu sagen. Geben sie mir eine Stadt und einen Kaffee und ein Buch und ich bin zufrieden. Also. Fast. Die Stadt. Es hat ein wenig mit der Stadt zu tun. Die sollte nämlich eine andere sein. Nicht immer und nicht jedes Mal. Aber oft. Möglichst oft. Nicht das ich Zürich nicht mag. Ist aber auch keine Stadt. Also nicht wirklich. Es tut zwar so. Meistens mit Erfolg. Aber in Wirklichkeit? So lange in Zürich immer noch angeboten wird, dass man eine Stadtumgehung machen kann. Immer der Stadtgrenze nach. Und darauf hingewiesen wird, es kann dann schon ein paar Stunden dauern und man soll bequeme Schuhe…. Drei. Es sind drei Etappen von je ca. 19 Kilometer. Also unter 70 km im Ganzen. In meinen jungen Jahren. Im Militär. In einem Tag! Ich schwör. Locker.
Aber ich schweife ab. Also. So lange man, theoretisch, in einem Tag um eine Stadt laufen kann? Dann ist es ein Dorf. Ein schönes. Ein sympathisches. Ein Dorf. Darum bitte oft. Möglichst. Eine andere Stadt. Um die man dann nicht in einem Tag rundum laufen kann. Und die bitte mehr als zwei Million Einwohner hat. Dann Stadt.
Jetzt ist es so, dass wir auch keinen Gold kackenden Esel im Keller stehen haben. Also wir nicht. Am Zürichberg soll das ja mitunter, aber lassen wir das. Bedeutet? Ich reise nicht dreimal im Monat. Zumindest nicht ausserhalb der Grenzen der Schweiz. Darum immer wieder Phasen, in denen ich dann langsam kribbelig werde. Weil auf Entzug. Quasi. Und dann Gemüt? Im Keller. Und einfach schon gar nicht mehr. Wenns dann wieder einmal so weit ist? Ersatzbefriedigung. Tram fahren. Mit dem Zweier. Vom Farbhof bis Tiefenbrunnen. Wenn es ganz schlimm wird. Dann der 31er. Schlieren bis Witikon. Das dann aber schon für die ganz harten unter uns.
Heute Nachmittag? Im Zweier. Darum passt es gerade so schön. Und jetzt. Ich schwör. Keine Übertreibung. Das Tram eh schon voll. Von Anfang an. An der ersten Haltestelle steigt Harry Hassler ein. Der echte. Vermutlich aus Altstetten. Nicht der aus Winterthur im Fernsehen. Sah aber gleich aus. Spitze Boots, Röhrenjeans, Lederjacke, Sonnenbrille, Haare wie Elvis in jungen Jahren und Handy. In der Hand. Kopfhörer im Ohr.  Telefonierend. Mit einem Tschingg. Woher ich das weiss? Warten sie's ab. Ich musste mich gar nicht anstrengen. Niemand musste. Sogar der Pilot am anderen Ende des Trams bekam es mit:

HH: Hää?! Was wötsch? Wer zahlt die Wohnung? Du, Deine Frau oder das Sozialamt?
Tschingg:………….
HH: Es hat verschiedene Wohnungen da. Eineinhalber und Zweieinhalber und Dreieinhalber.
Tschingg:…………..
HH: Ja! Alle renoviert. Da wo die Feuerwehr ist. Gleich am Eck.
Tschingg:……………
HH: Spinsch? Pardon. Spinnst Du? Da hat es jetzt kein Verkehr mehr. Wegen der Umfahrung. Also kein solcher Verkehr, wenn Du weisst, was ich meine! HarHarHarHar
Tschingg:…………….
HH: Nein, aber ein paar Juden wohnen auch da. Weisst Du. Die, die so komisch aussehen. Aber die sind ganz normal.
Tschingg:…………….
HH: Spinsch? Pardon! Spinnst Du? Nein, sicher nicht. Die sind wirklich ganz normal. Und Du bist ja selber ein Tschingg!
Tschingg:………….
HH: Also was ist jetzt? Willst Du sie oder willst Du sie nicht? Überleg bis morgen. Wegen Kohle geht schon klar. Gehört ja meinem Vater.
Tschingg:………….
HH: Du, sorry. Wart schnell, ich muss jetzt raus (Albisriederplatz.)

Dann war Ruhe. Bis Paradeplatz. Harry Hasler vom Zürichberg. Mindestens aber Seefeld. Auch am Telefonieren. Auch mit einem Kollegen. Leiser zwar, dafür direkt vor mir sitzend.

Zürichberg: Ja, weisst Du. Wir haben da schon Wohnungen. Aber wende Dich doch bitte an unseren Makler.

Und legt auf. So unterschiedliche Welten auf so wenig Kilometer.




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wasser bis zum Hals

Eigentlich, eigentlich habe ich kein Problem mit Alkohol. Wirklich nicht. Ich schwör. Auch nicht ohne, ihr Scherzkekse. Gelegentlich mal ein Glas Rotwein. Hie und da. Auch mal einen Grappa nach dem Essen. Und wenn ich dann mal in eine Bar gehe, dann auch einen Drink. Oder zwei. oder drei. Nicht mehr. Mich hat noch niemand nach Hause tragen müssen. Rollen schon. Aber tragen? Nein. Da kenne ich andere. Ohne jetzt hier Namen zu nennen.
Ich bin auch eher, wenn, dann der Typ stiller Trinker. Weil. In einer Beiz aufgewachsen. Und zuviel erlebt, was zuviel Alkohol aus Menschen machen kann. Insbesondere auf der verbalen Ebene. Würde auch. Je mehr Alkohol, desto weniger. Das ist wie bei Professor Otto. Je schiefer das Brett, desto schneller das "Zisch" und umso lauter der Bums. Oder so. Wobei die meisten mit zuviel, dann ja kein Bums mehr. Auch wenn sie gerne würden.
Nur ganz selten, wenn wirklich alle Umstände zusammen kommen. Dann, dann kann es auch mir passieren. Dass meine Stern…

Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…