Stadt, Land, Wurst


Selber schuld. Was les ich auch den Schmarrn. Man weiss es ja im Voraus. Was gescheites kann nicht kommen. Ich tu’s eigentlich auch nicht. Weil, ich reg mich immer auf. Auch wenn ich’s mir fest vornehme. Es nicht zu tun. Trotzdem tu ich’s dann doch wieder. Also eigentlich regt’s mich jetzt auch schon wieder auf, wenn ich nur dran denke.
Es geht um so ein unsägliches Gratisblatt. Respektive dessen Inhalt. Ich las es nur, weil Artikel «Die Leute zieht es in die Stadt». Also zum Wohnen. Spannend. Dachte ich. Deckt sich irgendwo nämlich mit meinem Eindruck. Welcher, zwar äusserst subjektiv, trotzdem auch. In diese Richtung. Wohnraum Mangelware. Also man muss schon Beziehungen, um überhaupt. Oder Kohle. Und die nicht zu knapp. Darum gelesen. War Müll. Wie befürchtet. Und jetzt lustig. Ein paar Tage später. Gleiches Gratisblatt. Fast gleicher Artikel. Aber umgekehrt. Jetzt auf einmal zieht’s die Leute auf’s Land. Behauptet der Artikel. Untermauert mit, wie immer, höchst fragwürdigen Statistiken. Auch dieses Mal? Müll. Nur, jetzt las ich weiter. Vor allem die Kommentare. Meine Fresse. Ich schwör. Mein lieber Herr Gesangsverein, würde mein Vater, selig, sagen. Wie zu erwarten. Zwei Lager. Städter auf der einen, die vom Land auf der anderen. Seite. Und dann Hiebe. Aufeinander. Aber vom aller feinsten.
Dabei, ich lach mich schief. So richtig Stadt und Land, in der Schweiz? Gibt es eh nicht. Die ganze Schweiz so viel Einwohner wie Berlin. Also quasi. Und ein nicht unbeträchtlicher Teil davon aus der Schweiz. Vermutlich vom Land. Wenn Sie in der Schweiz auf dem Land wohnen, dann bedeutet das? In der Agglomeration einer Stadt. Fast immer. Sie könnten nämlich spucken. Von der Stadtgrenze auf das nächste Dorf. Und umgekehrt. Weil alles etwas eng. Nicht wie Sibirien. Wo Land wirklich Land und Stadt unendlich weit weg.
Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus. Sondern auf das Menschliche. Zwischenmenschliche. Ich kann nämlich nicht wirklich verstehen, wie man so aufeinander eindreschen kann. Zum Glück habe ich ein anderes Glück. Hotel zum Beispiel. Da kann in den Beschreibungen stehen «Personal absolut unterirdisch!» Und unfreundlich sowieso. Wenig bis gar nicht hilfsbereit. Etc. Ich komme in das Hotel. Nur Stunden später, quasi. Und? Freundlichkeit. Und nicht gespielt. Weil ich merk sowas. Und der Aufenthalt unterm Strich vom Feinsten. Nicht nur einmal. Also Glück. So geht’s mir immer. Oder uns, besser gesagt. Weil meistens ja mit besserer Hälfte.
Kann manchmal aber auch im Desaster enden. Da treffen sie jemanden. Wildfremdes. Und man ist nach dem dritten Satz schon beim zweiten Ehemann und den dritten Kind. Inklusive allem Zwischenmenschlichen. Unlängst in Berlin? Das gleiche. Nur blieb es nicht bei den drei Sätzen. Waren einige Dutzend. Dazwischen dann ein paar Wodka-Shots. Morgens um 09:00 Uhr. Unter der Woche. Inklusive Desaster. Jetzt nicht das sie denken, ist ihm eine Lehre. Und so. Also dann gewissermassen schon. Es hat mich gelehrt, wenn es so beginnt, dann meistens im Desaster endet.
Darum bin ich jetzt im Zug. Nach Glarus. Weit weg. Weil schon wieder. Dritter Satz und zweiter Mann. Der aus Sevilla. Die, um die’s geht, die weiss dann schon. Darum jetzt Zug. Man wird ja älter. Nicht das man drum umso vernünftiger. Es braucht nach dem Desaster einfach um Tage länger. Die Rekonvaleszenz.
Sagen wollte ich aber eigentlich nur. Haut doch nicht immer aufeinander ein. Das Leben kann so viel schöner. Auch im Zug nach Glarus

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