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Der kotzende Elch

Bitte nicht persönlich nehmen. Wirklich nicht. Es hatte nichts damit zu tun. Also, fast. Fast nichts. Nur ganz am Rande. Es war wahrlich nicht ein Ausdruck meiner Meinung. Weder zu eben jenem Abend, noch zu gewissen aktuellen Themen. Die da heute etwas quer in der Landschaft stehen. Und quer steht einiges.

Sagte ich schon, dass ich Elche liebe? Aber dazu später mehr.

Es liegt nicht daran, dass uns zur Zeit die kalte Jahreszeit heimsucht. In Form des Winters. Daran liegt es wirklich nicht, dass Mann, kaum aus der Haustüre raus, schon auf Glatteis steht. Daran liegt es eher selten. Erstens wird bei uns gestreut. Zweitens hatte es heuer noch nicht wirklich Glatteis. Nein, mehr im übertragenem Sinne. Mann muss heutzutage generell vorsichtig sein. Im Sinne von Bedachtsam. Verstehen sie mich bitte nicht falsch. Ich wurde so erzogen. Achtsam und respektvoll gegenüber dem anderen Geschlecht. Weil, so damals die These: «Schwächer». Es sei ja das schwächere Geschlecht. Und der Mann stark, edel und gut. Ritterhaft auch. Und möglichst wohlhabend. Heutzutage gilt das ja kaum mehr. Oder eher andersrum. Das schwächere Geschlecht ist heute der Mann. Weil von ihm verlangt. Gefühle zeigen und feminine Seite. Nur, das mit dem Wohlhabend, das gilt scheinbar auch heute noch.

Vorsichtig im Sinne von überhaupt. Heutzutage geht Mann schon ein Risiko ein, wenn er Frau im Restaurant in den Mantel hilft. Eigene Erfahrung. Mein lieber Schwan. Erstens zu nahe. Zweitens hätte ich damit impliziert, ich denke, Madame sei selber dazu nicht in der Lage. Und drittens gelte das schon fast als sexuelle Annäherung, weil ich helfe ihr ja nur in den Mantel, um nachher umso mehr ausziehen zu können. Ihr. Können sie folgen? Mir zumindest? Weil ich, perplex. Und im Raum stehend, mit erhobenen Armen, aber ohne Mantel. Den hatte Madame meinen Händen entrissen. Um ihn sich selber anzulegen. Der zweite Anschiss folgte auf dem Fuss. Meinem. Dem falschen. Weil ich die Tür nicht aufhielt. Also was jetzt?

Moment. Ich bin gleich beim Elch. Keine Ungeduld.

Also an dem allem lag es nicht. Ganz anders. Wir waren aus. Mit Kind und Kegel. Freunde waren auch noch dabei. Zum Essen. In so einem, wie soll ich es sagen, Experiment. Wir waren Teil eines Experimentes. Sonntagabend. Ein Experimental-Restaurant. Alles sehr experimentell. Das Lokal, die Betreiber, das Essen. Die Gäste auch. Und der Hund. Der Hund, muss man wissen, der Hund, der hat einen Schaden. Oder ein Problem. Was er nicht kennt, frisst er nicht. Und wen er nicht kennt, wird ausgebellt und angefletscht. Jetzt stellen sie sich vor. In einem Restaurant. Voller fremder Personen. Am Fenster sitzend. Fenster, die bis zum Boden gehen. Davor ein Gehsteig. Auf dem ebenfalls Fremde verkehren. In einer Stadt. Also nicht nur ein Fremder in einer Stunde. Wie auf dem Land. Nein. Fremde alle paar Sekunden. Er kam gar nicht mehr aus dem fletschen und kläffen raus.
Sagte ich schon, dass ich Elche liebe, weil ich das Gefühl habe, dass diese perfekt mein Wesen widerspiegeln? Gross, bedächtig, mitunter etwas schwerfällig, etwas lächerlich aussehend, wenn sie galoppieren. Ich renne ja nicht mehr aufs Tram. Weil’s aussieht, wie ein galoppierender Elch. Und ruhig. Sie strömen eine unglaubliche Ruhe aus. Selbst wenn sie doof glotzend an einer Wand hängen. 

Der Hund hing auf fast an einer Wand.

Jetzt haben Elche und ich noch eine Gemeinsamkeit. Die Aufregung. Wenn sich ein Elch aufregt, worüber auch immer sich Elche aufregen, dann kotzt er. Wenn ich mich aufrege, dann verschliesst sich mir der Magen. Ich weiss das. Dann esse ich in der Regel auch nichts. Ausser ich bin abgelenkt. Und weiss eigentlich gar nicht, dass ich mich gerade aufrege. Der Magen verschliesst sich dennoch. Und wenn dann auch noch etwas quer kommt, so wie das besagte Experimental-Essen in eben diesem Restaurant, dann kann es passieren, quasi aus Protest, dass es wieder raus muss. Die ganze Aufregung. Und das Essen auch. 

Dann werde ich schon mal zum Elch. Galoppierend auch.


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