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Sex in the City

Es ist erstaunlich. Wirklich. Sie kennen Zürich? Wie gross schätzen sie das Geviert zwischen HB, Bahnhofstrasse, Limmatquai und Bellevue? In Quadratkilometern? Na? Wie gross? Keine zwei. Maximal. Eher weniger. Glauben sie nicht? Na, dann konsultieren sie doch mal Google Maps. Sie werden staunen. Ein Dorf, sage ich ihnen. Oder anders gesagt, ein Nadelöhr. Nicht nur für Kamele. Wenn sie verstehen, was ich meine.
Durch dieses Nadelöhr schoben sich letztens am Wochenende, genauer am Streetparade-Samstag, fast eine Million Leute. Medien behaupten, 900'000. Geschätzt. Also eine ziemliche Menge Leute auf einem ziemlich kleinen Raum. Trotzdem, man würde es nicht für möglich halten! Im Wesentlichen benutzten diese Massen zwei Achsen. Limmatquai und Bahnhofstrasse. Das liess sich ganz einfach daran ablesen, dass an diesen beiden Achsen die Dichte an älteren Männern mit Kamera am höchsten war. Ich habe es gesehen. Persönlich. Wobei sie noch von Glück sprechen konnten, wenn nur das. Es gab nämlich auch ältere Männer ohne Kamera. Ohne Alles. Um präzise zu sein. Also fast. Einen String hatten sie dann doch noch an. Der war aber in den Fällen, die ich gesehen habe, schon etwas sehr ausgeleiert. Wie die Haut der älteren Männer auch. Aber so genau wollte ich dann doch nicht hinschauen.
Wieso erzähle ich ihnen das eigentlich? Einerseits um aufzuzeigen, ich war hier. Wir waren. Obwohl uns geraten wurde, die Stadt für dieses Wochenende zu verlassen. Nein, wir blieben. Weil wir per se den Anlass ganz spannend finden. Bringt ein bisschen Bewegung in die Stadt. Gut, auch noch ein paar andere Dinge, aber Bewegung. Sehen wir’s mal positiv. Zum anderen ist es so, und da komme ich wieder auf die nicht einmal zwei Quadratkilometer zurück, wir spüren es kaum. Wirklich nicht. Ich schwör. Obwohl wir in der Altstadt, im Niederdorf, wohnen. Am Limmatquai? Horden und Massen. Eine Gasse weiter innen, in der Altstadt? Business as usual. Quasi. Eine Gasse weiter drin, da spreche ich von 20 Meter Luftlinie. Nur um das deutlich zu machen. Da, wo wir wohnen? 50 Meter weit drin? Nix. Tote Hose. Wie sonst auch. Nicht einmal angepisst werden wir. Also nicht persönlich. Ich meine das Haus, in dem wir wohnen. Im Gegensatz zu vielen anderen Häusern und Gebilden, die näher dran sind. Vom Bellevue, dem Epizentrum der Macht, sprich der Streetparade, gerade mal 600 Meter entfernt. Nix. Nachts auf der Dachterrasse ein leises «nnz, nnz, nnz»…. Dafür umso lauter TatüTata. Wir wüssten nicht mal, es ist Parade, hörten wir nicht die verstärkte Präsenz der staatlichen Gewalt. Darum bleiben wir hier. Und genossen den Aufmarsch der Horden.
Sonntagmorgen ist dann eh schon fast wieder alles vorbei. Von ein paar Schnapsleichen abgesehen, die sich am See aus dem Gestrüpp wursteln. Am Montag hat der Alltag dann uns wieder. Und die Streetparade gehört der Vergangenheit an. Die Ruhe hat uns wieder. Keine Auswirkungen mehr. Dachte ich.
Ich sass in einem neuen 11er. Cobra. Ich dem sie von ganz hinten bis nach ganz vorne durchsehen. Und hören. Ich sass hinten. Sie fast ganz vorne. Das Tram war um diese Zeit gut gefüllt. Auf einmal. Der Radetzky Marsch. Nicht etwa dezent. Nein, die Kapelle marschierte irgendwo im Tram. Der Intensität nach. Muss ein geiles Handy sein. Extrem guter Sound. Der Klingelton. Wie lange geht der Marsch? Gefühlte 3 Minuten. Und begann dann wieder von vorne. Kam aus der Tasche einer älteren Dame. Die machte keine Bewegung. Bis sich jemand ihrer erbarmte. „Sieeeeeehiiiee, ich glaub das kommt von ihnen“!! Die ältere Dame begann in ihrer Tasche zu wühlen, währenddessen die Kapelle zum Drittenmal ansetzte. Also wirklich. Der Klang. Hammer.
Irgendwas zum aufklappen. Das Handy. Der Marsch brach ab. Nun kehrt Ruhe ein. Dachte ich. Dachten alle im Tram. Von wegen. Lauter noch als die Kapelle krähte die Dame nun in breitestem Wiener Dialekt ins Telefon.
Sie sei an der Streetparade gewesen. Auf einem Lovemobil. Direkt neben dem Lautsprecher. Und habe noch ein bisschen Probleme mit den Ohren. Aber das mache ja nichts. Sie hätte das Handy auf ganz laut und selber könne sie ja auch etwas kräftiger sprechen....
Der Gesprächspartner am anderen Ende wusste es nun. Das ganze Tram übrigens auch. Mit 68! An der Streetparade. Auf einem Lovemobil. Und es war geil.
Nzzz, Nzzz, Nzzz........

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Wasser bis zum Hals

Eigentlich, eigentlich habe ich kein Problem mit Alkohol. Wirklich nicht. Ich schwör. Auch nicht ohne, ihr Scherzkekse. Gelegentlich mal ein Glas Rotwein. Hie und da. Auch mal einen Grappa nach dem Essen. Und wenn ich dann mal in eine Bar gehe, dann auch einen Drink. Oder zwei. oder drei. Nicht mehr. Mich hat noch niemand nach Hause tragen müssen. Rollen schon. Aber tragen? Nein. Da kenne ich andere. Ohne jetzt hier Namen zu nennen.
Ich bin auch eher, wenn, dann der Typ stiller Trinker. Weil. In einer Beiz aufgewachsen. Und zuviel erlebt, was zuviel Alkohol aus Menschen machen kann. Insbesondere auf der verbalen Ebene. Würde auch. Je mehr Alkohol, desto weniger. Das ist wie bei Professor Otto. Je schiefer das Brett, desto schneller das "Zisch" und umso lauter der Bums. Oder so. Wobei die meisten mit zuviel, dann ja kein Bums mehr. Auch wenn sie gerne würden.
Nur ganz selten, wenn wirklich alle Umstände zusammen kommen. Dann, dann kann es auch mir passieren. Dass meine Stern…

Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…