Kleine Prinzen

Die schönste Zeit im Jahr? Was denken sie? Weihnachten? Der erste Frühlingstag nach einem langen und harten Winter? Ihr Geburtstag? Die endlich überstandene Scheidung von ihrem Partner? Der erste Urlaubstag? Na? Was meinen sie?
Pusteblume! Nichts von alledem. Der schönste Tag im Jahr ist der erste Schultag nach den Sommerferien. Nicht unbedingt für ihre Kinder. Vielleicht auch nicht für sie. Aber für mich. Wirklich. Ich schwör. Nicht, dass ich meine Kinder nicht lieben würde. Von den 5 Wochen Sommerferien verbringen wir aber maximal deren zwei zusammen. Der Rest? Organisation. Fremdbetreuung. Ferienlager, Stress. Ich denke, sie wissen, von was ich spreche. Zumindest diejenigen unter ihnen, die selber über eigenen Nachwuchs verfügen. Die, die keinen haben, warum auch immer, die können sich gerne an einer allfälligen Diskussion beteiligen. Ahnung haben sie trotzdem keine. Ich habe drei. Nicht Ahnungen. Davon hätte ich eine Menge. Nein, ich spreche von Kindern. Eigene. Weil, eigentlich sind es noch mehr. Patchwork ist das Stichwort. Und, sie können es sich sparen. Von wegen, man muss nicht jammern. Man hätte es ja auch sein lassen können. Das mit den Kindern. Wer solche Sprüche raushaut, der hat schon mal gar keine Ahnung. Von Kindern. Vom Leben im Allgemeinen wohl auch eher weniger. Und disqualifiziert sich schon mal selber.
Darum, auch für mich. Trotz Liebe und so. Erster Schultag nach den Ferien. Schönster Tag des Jahres. Und woran erkennt man diesen Tag? In Zürich zum Beispiel? Also ausser an den glücklichen und entspannten Gesichtern der Eltern? Oder den überfüllten Trams, Frühmorgens zwischen 07:00 und 08:00 Uhr? Na? Woran wohl? Zumindest hier, in Zürich? Na? An Starbucks.
Jetzt spinnt er total, denken sie? Was hat ein, meines Erachtens zu Unrecht verunglimpftes, internationales Kaffeehaus, mit den Schulanfang in Zürich zu tun? Ich erkläre es ihnen. Zuerst mal das meines Erachtens zu Unrecht verunglimpft. Dazu muss man Folgendes wissen. Ich bin keiner dieser Menschen die sich in Anspruch um ihr Essen überschlagen. Ich liebe eine solide und ehrliche Küche. Ohne Chichi. Ich für mich persönlich, ich brauche keinen Chemiebaukasten auf dem Teller. Da ist mir der Eintopf meiner Schwiegermutter um einiges lieber. Ich denke, sie verstehen, was ich meine. Das gleiche gilt für meinen Kaffee. Ich liebe Kaffee. Kann nicht ohne sein. Wirklich nicht. Ich schwör. Fragen sie mal bessere Hälfte, was passiert, wenn ich keinen Kaffee bekomme. Ruckzuck roter Bereich. Aber Hallo! Ich trinke sogar zu viel davon. Und auch hier. Lieber eine anständige Tasse voll, mit einem anständigen Kaffee. Und nicht zwei Tropfen in einer Tasse, die von Bohnen stammen, die eine Katze irgendwo auf der Welt in die Pampa kackt. Sorry. Aber das finde ich nun etwas dekadent. Zu teuer? Starbucks? Können sie rechnen? Also. Wenn sie dort eine Tall Latte bestellen, dann bekommen sie vom Volumen her zwei gewöhnliche Milchkaffee in einem x beliebigen Cafe in der Stadt. Und was zahlen sie für zwei Milchkaffee in einem Cafe in der Stadt? Alles Mögliche zwischen CHF 8.- und CHF 10.-, oder mehr. Die Tall Latte? CHF 5.90.-, oder so. Und schmeckt erst noch. Also mir.
Ausserdem ist der Laden mein zweites Büro. Wenn ich unterwegs bin. Zwischen den Terminen. Man findet Einen in fast jeder Stadt. Es hat Platz. Wlan hat es auch. Und vor allem. Das Erfolgsgeheimnis überhaupt? Steckdosen! Es hat unzählige Steckdosen. Mehr als Kaffee noch, brauche ich nämlich Strom. Um diese Steckdosen muss man sich dann auch nicht mit anderen Gästen streiten. Ausser in Zürich. Wenn die Schule wieder begonnen hat. Dann gehen sie am besten nicht über Mittag oder nach Schulschluss in einen Starbucks. Nicht in Zürich.
Voller Schüler. Aller Altersstufen. Und nicht, dass sie jetzt meinen, nur Strom. Oder einfach sitzen und plaudern. Die trinken Kaffee. In Form von Shakes. Oder ähnlichem. Und nicht zu knapp. Ich habe mal gefragt, warum. «Weil’s cool ist»! «Und weil’s Steckdosen hat»! Horden: Massen.

Zum Glück sind ja schon bald wieder Ferien.


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