Direkt zum Hauptbereich

Leerlauf

Wissen sie noch, was das ist? Also im technischen Sinn. Der Leerlauf? Wenn ja, dann sind sie wohl in meinem Alter. Wenn nicht, dann deutlich jünger. Und gerade dabei, den Führerschein zu machen. Als Leerlauf bezeichnete man früher ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und manuellem Getriebe, das mit laufendem Motor, aber ohne einen Gang eingelegt zu haben, vor sich hin tuckerte. Im Leerlauf eben. Die heutige Jugend, die kennt das nicht mehr. Die fahren ja nur noch Automat. Fahren! Weil Fahren kann man dem nicht sagen. Wir, wir mussten das noch lernen. Am Berg. Stehend. Anzufahren. Mit einem geschalteten Fahrzeug. Gang einlegen, Handbremse lösen, Kupplung langsam kommen lassen……und dann den Motor noch dreimal neu starten. Das, meine Damen und Herren, das war nun wirklich noch Auto fahren. Automat…bah, dass ich nicht lache.
Ich meine einen anderen Leerlauf. Den nur Männer können. Frauen können den nicht. Ich spreche aus Erfahrung. Männer können auch einfach mal etwas «so stehen lassen.» In der Küche. Da auch, ja. Oder liegen. Liegen lassen. Die Wäsche zum Beispiel. Im Schlafzimmer. Frauen können dies aber auch. Nein, ich meine etwas anderes. Im Raum. Eine Tatsache. Oder besser gesagt, eine «Nichttatsache!» Einfach so im Raum stehen lassen. Unbeachtet. Oder ganz im Gegenteil. Von allen Seiten betrachtend. Drehend. Wendend auch. Frauen? Die können das nicht. Und auch nicht damit umgehen. Wenn etwas ungeklärt im Raum stehen gelassen wird. Da muss immer alles ausdiskutiert und beantwortet werden. Immer. Auch wenn es zu Streit und Diskussionen und faulen Kompromissen und Trennungen und was weiss ich nicht noch alles führt. Männer? Die können das. Und in diese Richtung geht heute meine Geschichte. Weil aktuell.
Dieses etwas «im Raum stehen lassen», das geht einher mit eben diesem einen ähnlichen Phänomen. Dem Leerlauf. Nicht am Auto. Am Mann.
Stellen sie sich vor. Mann hat einen schweren Arbeitstag hinter sich. Oder ist anderweitig gestresst. Weil Schwiegermutter mit Besuch droht. Oder ähnliches. Einfach Stress halt. Dann braucht Mann Ruhe. Und Entspannung. Einen kurzen Moment vielleicht nur. Reicht schon. Mann kommt nach Hause, begrüsst Frau, Kind und Hund. Und allenfalls anwesende Schwiegermutter. Lässt die Kleider im Raum liegen, sucht seinen Sessel, nimmt Platz und dann passiert es. Man könnte es auch Yoga nennen. Oder Meditation. Andere gehen dazu in den Wald oder sonst wo spazieren. Bezahlen sogar dafür. Frauen gehen meistens shoppen. Männern genügt dazu ein Sessel. Sie nehmen Platz und lassen sich fallen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sämtliche Spannung fällt ab, die Glieder, und zwar alle, werden schlaff. Der Blutdruck sinkt. Meistens. Den mit der Schwiegermutter hatte ich schon……lassen wir das. Dann! Dann genau, dann passiert es. Der Blick, eben noch scharf fokussiert. Auf Frau oder Schwiegermutter, der Blick, der geht auf einmal ins Leere. Leerlauf. Entspannung pur. Einfach alles und damit meine ich wirklich alles, einfach mal so im Raum stehen lassen.
Bei manchen Männern dauert dieser Moment nur wenige Sekunden. Bei anderen Minuten. Ich habe persönlich sogar schon von Stunden gehört. Irgendwann kommt Mann dann wieder zurück. Legt quasi einen Gang ein….und übt sich im «am Berg anfahren!» Mit einem Fahrzeug mit manuellem Getriebe. Sprich seiner Frau. Warum?
Selbst wenn dieser absolut nichtssagende Augenblick des Leerlaufs, wenn der nur eine Zehntelsekunde dauert. Und Frau gerade in der Küche mit Schwiegermutter einen 20gänger vorbereitet. Sie können Einen darauf fahren lassen. Ich schwör. Frau ertappt Mann dabei. Und kann das nicht einfach so stehen lassen. Weil Blick ins Leere, bei einem Mann? Das ist gleichbedeutend mit Grossalarm. Und fertig ist mit Entspannung.
Ich habe mir darum eine Taktik zugelegt. Das Ritual, das bleibt das selbe. Aber ich schalte den Fernseher dazu ein. Frau ist in der Küche, oder sonst wo, wähnt Mann vor der Glotze und gut ist.
Ist es natürlich nicht. Weil auch diese Taktik auf Dauer mit Gesprächsnotwendigkeiten Seitens Frau verbunden ist. Einerseits. Andererseits, der Mist im Fernsehen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die können wir im Moment einfach mal so stehen lassen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wasser bis zum Hals

Eigentlich, eigentlich habe ich kein Problem mit Alkohol. Wirklich nicht. Ich schwör. Auch nicht ohne, ihr Scherzkekse. Gelegentlich mal ein Glas Rotwein. Hie und da. Auch mal einen Grappa nach dem Essen. Und wenn ich dann mal in eine Bar gehe, dann auch einen Drink. Oder zwei. oder drei. Nicht mehr. Mich hat noch niemand nach Hause tragen müssen. Rollen schon. Aber tragen? Nein. Da kenne ich andere. Ohne jetzt hier Namen zu nennen.
Ich bin auch eher, wenn, dann der Typ stiller Trinker. Weil. In einer Beiz aufgewachsen. Und zuviel erlebt, was zuviel Alkohol aus Menschen machen kann. Insbesondere auf der verbalen Ebene. Würde auch. Je mehr Alkohol, desto weniger. Das ist wie bei Professor Otto. Je schiefer das Brett, desto schneller das "Zisch" und umso lauter der Bums. Oder so. Wobei die meisten mit zuviel, dann ja kein Bums mehr. Auch wenn sie gerne würden.
Nur ganz selten, wenn wirklich alle Umstände zusammen kommen. Dann, dann kann es auch mir passieren. Dass meine Stern…

Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…