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Landliebe

Nicht das sie jetzt an Joghurt denken. Obwohl. Hat schon ein bisschen was damit zu tun. Also Joghurt. Mit denken aber auch. Dann aber eher Quark als Joghurt. Sie, die geneigte Leserschaft, weiss, ich habe ein etwas ambivalentes Verhältnis zur Bevölkerung. Ausserhalb. Der Bevölkerung ausserhalb einer Stadt. Wobei man zugeben muss, diese vermutlich auch zu mir. Wenn wir dann mal aufeinander treffen. Dann ist es in etwa so, wie in einem Zoo. Dabei ist völlig offen, welche Partei steht nun vor dem Käfig und welche im.
In letzter Zeit hatten wir gleich wieder ein paar Mal das Vergnügen. Aufeinander zutreffen. Weil erstens Geschäftlich und zweitens auch Privat. Zum Geschäftlichen kommen wir später. Beide Male freiwillig. Es verhielt sich jetzt wirklich nicht so, dass ich mich an der Stange im Zug festgeklammert habe. Man musste mich keineswegs mit Gewalt aus dem Zug und auf den Perron holen. Wirklich nicht. Ich schwör. Es sah unter Umständen nur etwas so aus. Weil der Zug gar stark abbremste. Darum musste ich mich halten. Für mich hatte es den Anschein, als wollte der Lokführer auch nicht. Aufs Land…und ist erst im letzten Moment auf die Bremse. Sie verstehen, was ich meine. Im Gegensatz zu mir, durfte er aber weiter. Dabei drehten die Räder des Zuges nur ein bisschen durch. Wirklich. Kaum wahrzunehmen.
Housewarming-Party. War das Lockmittel. Wir waren zu einer Housewarming-Party eingeladen. Nicht Einweihung. Nein. Housewarming. Man gibt sich international. In der Agglomeration. Aber gar nicht so weit weg. Vom Stadtrand. In 20 Jahren sind die eingemeindet. Auch wenn sie es nicht wollen. Zürich wächst. Besonders in diese Richtung. Jetzt, es ist nicht unser erster Besuch auf dem Land. Dafür jedes Mal ähnlich. Kleines Häuschen, grosser Garten, Terrasse, Grill, Swimming- oder Whirlpool, viel eingeladene Landbevölkerung, auf der einen Seite der Terrasse. Und wir. Auf der anderen Seite. Dazwischen der Pool. Genau wie im Zoo. Dort hat es ja auch keine Gitter mehr. Weil möglichst naturnah. Nur noch natürliche Barrieren dazwischen. Meistens in Form eines Grabens. Mit und ohne Wasser. Und ab und zu eine Banane, die Einer von hüben nach drüben wirft. Ich überlasse jetzt ihrer Vorstellung, von wo nach wo.
Im Gegensatz zum Zoo überwinden wir aber durchaus diese Barriere und versuchen, uns unters Landliebe-Volk zu mischen. In etwa mit dem gleichen Resultat, als wenn ein Zoobewohner selbiges versucht. Es entsteht eine gewisse Unruhe. Mitunter auch leichte Panik. Und genau wie im Zoo, versucht man uns mit Bananen abzulenken. Nur das in diesem Fall die Bananen durch Alkoholisches ersetzt wird. Meistens Mojito. Weil man auf dem Land immer noch der Meinung ist, Städter lockt man am besten mit Mojito. Über die natürliche Barriere. Weiter nicht.
Der Anlass letztes Weekend aber ganz nett. Die Leute auch. Zumindest die, welche sich getrauten uns näher zu kommen. Und nicht gerade auf den Baum sprangen, als wir sie ansprachen. Man fand durchaus gemeinsame Themen. Bis zu dem Moment, als das Gespräch auf Zürich kam. Und der Spruch, «ich kenne Zürich ja gar nicht»! Jetzt muss man wissen, wir waren nicht im Wallis. Oder Münstertal. Oder im Puschlav. Nein, wir waren knapp 8 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Was wollen sie daraufhin noch sagen? Ich bestelle dann meistens noch einen Mojito. Oder zwei, oder drei.
Da dieser Moment wirklich jedes Mal kommt, wenn ich mich irgendwo auf dem Land aufhalte, ist es wohl nicht weiter verwunderlich. Mein ambivalentes Verhältnis. Zur Bevölkerung und auch zum Mojito. Die Erwartungen sind darum relativ tief. Hinsichtlich jeder Beziehung. Die Überraschung umso grösser, wenn es dann mal anders kommt. So wie kürzlich in einer nicht ganz unbekannten Gemeinde eines Bündner Hochtals. Nach diversen geschäftlichen Besuchen, schon auf dem Heimweg. Quasi. Laufe ich an einem Gebäude vorbei. Daran der Hinweis auf eine Cloud. Im Gebäude. Nicht darüber. Und da noch etwas Zeit. Und kommunikativ. Und neugierig sowieso. Dachte ich, ich geh mal wieder auf die liebe Landbevölkerung zu, klopfe an und trete ein. Jetzt Überraschung! Wo finde ich mich wider? In einer technoiden Kommunikations- und Arbeitszentrale vom Feinsten. Hammer.
Zu Beginn noch gegenseitiges Misstrauen in den Augen. Weil, der Eintretende steht ohne Umschweife mitten in einem Büro. Mit vielen Computern. Dahinter Menschen. Resp. Klimpernde Augen, die einen über den Bildschirmrand hinweg neugierig anblinzeln. «was macht der denn hier? Verlaufen?» Und von meiner Seite her? Erstauntes Sehen, weil so nicht erwartet: «was machen die denn hier? Bin doch auf dem Land?» Nicht in dieser Form. Aus diesem gegenseitigen Anblicken, ergab sich dann, nach einiger Zeit der Angewöhnung, ein interessantes Gespräch. Weil zwar auf dem Land, das Büro, aber auch in grossen Städten unterwegs.
Und dann dieser Tisch. Quasi ein Computer. Vom feinsten. Habe ich so in einer ähnlichen Art und Weise nur einmal gesehen. Bei einem weltbekannten Technologie-Konzern. In der Stadt. Muss wohl meine Meinung revidieren. In Teilen. Von wegen auf dem Land und hinter dem Mond. Aber nur ein bisschen 😉
Wenn Sie mal in dieser Gegend sind und eine Affinität für solche Dinge haben. Klopfen sie doch auch mal an.
Wenn sie wissen wollen, wo genau ich war? Melden sie sich….

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