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Alter schützt vor Eltern nicht

Nie! Unter absolut keinen Umständen. Ich muss es mir nicht einmal schwören. Wirklich. Ich schwör. Und dabei geht es wohl den Meisten so. Da bin ich mir ziemlich sicher. Nicht das ich es unbedingt verwerflich finde. Oder schlimm. Echt nicht. Jedem das seine. Ganz wie man möchte. Gerne. Sicher. Ohne Probleme. Ich nicht. Für mich gilt? «Nein, ich werde niemals wie meine Eltern.» Jetzt, nichts gegen meine Eltern. Sie haben mich grossgezogen. Teilweise. Mindestens. Also schon eine gewisse Grunddankbarkeit. Meinerseits. Sie sind auch heute noch für mich da. In fortgeschrittenem Alter. Ihrem und meinem. Auch teilweise. Weil ein Elternteil lebt schon lange nicht mehr. Also eigentlich kein Grund zu klagen. Meinerseits. Ihrerseits vielleicht schon. Aber das ist eine andere Geschichte. Es ist mehr so, meine Eltern entstammen einer anderen Generation. Logisch. Einer, die mit meiner Art zu leben nicht unbedingt immer klar kommt. Zu dem aus einem Land, welches sich seinerzeit massgeblich in kriegerische Auseinandersetzungen verstrickte. Also Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Erklärt einiges. Das Sparen vor allem. Weil man damals ja nichts hatte. Und darum alles nutzen musste. Daraus resultierend? Ein gewisser Hang zum…sagen wir mal «ausgeprägtem Sparen», um nicht das Wort «Geiz» verwenden zu müssen. Meine Mutter bringt es darin zu meisterlichen Eigenschaften. Weltmeisterlichen. Wirklich. Nicht das ich sie jetzt weniger liebe deswegen. Nein, wirklich nicht. Ich schwör. Aber den Tisch im Restaurant, den habe ich tatsächlich mal gewechselt. Weil es mir zu peinlich war. Darum. Ich. Werde. Nicht. Wie. Sie. Ich könnte jetzt noch stundenlang. Auflisten. Aber dann wird die Geschichte zu lang. Und läuft uns aus dem Ruder. Mit 18 bin ich von zuhause weg. Ins Land meiner Ahnen. In dem ich heute noch lebe. Um nicht so zu werden wie meine Eltern. Mit 18. Und heute? Mit 54? Katastrophe! Es geht schon los. Mit dem Optischen. Wenn ich an einer spiegelnden Fläche vorbei laufe und mich betrachte? Nicht aus Eitelkeit! Aus Sorge. Was sehe ich da? Meinen Vater. Wie aus dem Gesicht geschnitten. War schon mal so, dass ich mich im Spiegelbild selber nicht erkannte. Jetzt, nicht nur optisch. Mein Vater hatte in seiner Jugend einen schweren Unfall. Das rechte Bein darum verkürzt. Ein Leben lang kannte ich ihn nur humpelnd. Ich? Ich hatte keinen Unfall. Zumindest nicht so einen. Beide Beine noch gleich lang. Aber was mach ich seit ein paar Monaten? Ich humple. Mit dem gleichen Bein. Wie mein Vater. Warum? Keine Ahnung. Dabei wollte ich doch niemals wie meine Eltern… Na gut. Werde ich halt zum Ebenbild meines Vaters. Optisch. Egal. Weil, charakterlich bin ich freier. Als er. Darum kein Problem. Hauptsache nicht so werden wie meine Mutter. Also, nicht so…sparsam. Nie. Ich schwör. Auch wenn mich das ins (finanzielle) Verderben führt. Letztens flogen bessere Hälfte und ich nach Schweden. Ins Land ihrer Ahnen. Geburtstagsparty. Einer Einladung folgend. Wir flogen mit unserer nationalen Airline. Jetzt muss man noch wissen. Erst kürzlich Berichte und Diskussionen in der Presse, von wegen überbuchter Flüge. Ich erwähne das nur, weil bessere Hälfte und ich noch am Flughafen darüber sprachen. Uns würde das sicher nicht passieren. Weil nationale Airline. Und nicht so ein Chaosverein wie andere. Airlines. So sassen wir am Gate. Auf das Bording wartend. Als der Lautsprecher zu rauschen begann: «Liiiiiiiiebe Passagiere. Wir sind jetzt dann gleich zum Einsteigen bereit….müssen ihnen aber leider mitteilen, dass der Flug überbucht wurde…..wir suchen daher vier Passagiere, die bereit wären, auf einen späteren Flug umzubuchen»! So ein Skandal! Wie kann das sein? In Amerika vielleicht. Aber hier? Bei uns? Bei unserer nationalen Airline? Das kann und darf nicht sein. Und blieben sitzen. Würden sich wohl schon vier andere melden. Wir sicher nicht. Und dann rauschte es wieder: «…….vier Passagiere und wir bieten jedem Passagier 275.- Euro, wenn sie diesem Aufruf Folge leisten.» Ich muss zugeben. Ich hörte nur «275.- Euro». Das «Folge leisten» hörte ich schon nicht mehr. Und ich schwör! Wirklich. 100%! Ich hatte auf einmal KEIN Glänzen und Dollarzeichen in den Augen, wie bessere Hälfte heute noch behauptet. Ich hatte mich auch nicht schon halb aus meinem Sitz erhoben, um als Erster beim Bording-Desk anzukommen, als mich der Todesblick von besserer Hälfte abrupt stoppte. Wirklich nicht. Darum trifft es mich auch so hart. Als sie mich ansah und sagte: «Mutter! Du wirst wie Deine Mutter»! Aber jetzt mal ehrlich! 275.- Euro sind 275.- Euro!? Oder etwa nicht? Hätten Sie vielleicht…?

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