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WeekEnd

In der Regel ist es schon auch so. Wie bei Ihnen. Den meisten, zumindest, denke ich. Dass ich mich auf den Beginn eines Wochenende freue. Und nicht auf das Ende. Man ist am Freitag im Büro oder auf Kundenbesuch und wenn der Tag sich gegen Ende neigt, hat man so eine gewisse Vorfreude. Die habe ich immer. Egal was kommt. Weil mal so oder so. Bei uns zumindest. Patchwork. Alle 14 Tage Kids Weekend. Und jedes zweite Weekend bei uns. Jetzt unterstellen sie mir bitte nichts. Meine Freude ist auch dann mindestens so gross, als wenn wir nur zu zweit unterwegs und auf irgendeinem Trip sind. Wirklich. Ich schwör. Aber da gibt es dann vereinzelte Wochenenden, da spüren sie‘s schon im Vorfeld. Das wird nix. Das geht irgendwie in die Hose. Und prompt stolpern sie dann auch über das einzelne Haar in der Suppe, dass sie dann, aufgrund der Vorahnung, die ganze Zeit über so penetrant gesucht haben. Blöd nur, wenn sich dieses dann als ein ganz anderes entpuppt. So wie kürzlich. Kids-Weekend. Und leichte Migräne im Anzug. Einladung bei Freunden in der Pampa. Freitagmittag schon der aufkommende Verdacht. Junge, das wird schwierig. Dennoch. Frohen Mutes, oder dem, was davon übrig blieb, ab ins Weekend und nach Hause. Jetzt, muss man wissen. Ich liebe die Einsamkeit. Nicht nur, aber auch. Immer wieder mal gerne. Insbesondere, wenn es mir nicht gaaaanz so bestens geht. Dann komme ich gerne mal alleine nach Hause. Zumindest die ersten dreissig Minuten oder so. Um mich einzustimmen. Mit und in mich selber. Danach dann alles gut. Wenn ich diese 30 Minuten für mich habe. Wenn nicht? Dann gute Nacht um Sechsi. Nicht für mich. Die Anderen. Die mich dann ertragen müssen. Ich also ab nach Hause. Und wie ich es geahnt habe. Zuhause nicht der Erste. Sondern schon Partystimmung. Zusammenreissen. Kids ballern sich schon virtuell die halbe Welt um die Ohren. Weil der Abend noch jung und die Nacht vermutlich lang, Kinder weg von der Spielkonsole, raus in die freie Natur. Mit den Erziehungsberechtigten natürlich. Bei uns halt nicht viel freie Natur, weil Mitten in der Stadt. Aber draussen trotzdem. Frische Luft wirkt manchmal Wunder. Nach den ersten paar Schritten merke ich bereits, wie ich langsam runter komme. Die Laune hebt sich. Meine. Die der Kids eher weniger, weil Spielkonsolenentzug. Ich gehe jetzt mal davon aus, folgender Dialog ist ihnen, zumindest denen die Gnade Kinder zu haben, teil wurde, nicht ganz unbekannt:

Erziehungsberechtigter1: „Hallo zusammen, wir gehen jetzt alle ein paar Minuten an die frische Luft!“
Erziehungsberechtigter2: „Auja, tolle Idee, ich mach mich schnell parat.“
Kinder: „Nei, sicher nöd.“ „Es ist kalt draussen!“

Erziehungsberechtigter1 ignoriert still alle Einwände und zieht sich an, um dann in Vollmontur im Kinderzimmer seiner Aufforderung noch einmal Nachdruck zu verleihen:

Erziehungsberechtigter1: „So, Ich bin parat!“ „Hopp, jetzt!“
Erziehungsberechtigter2 (aus dem Bad): „Ja, hopp jetzt!“
Kinder: „Nei, Papi, nur noch fünf Minuten!“ „Isch grad fertig!“ „Nur no dä Kampf!!“
Erziehungsberechtigter2 (aus dem Bad): „Ja, hopp jetzt!“

Eine Viertelstunde später. Alle stehen auf der Strasse. Ein leicht genervter Erziehungsberechtigter1 (ich wusste es, dass wird Kacke), eine leicht zerzauselte Erziehungsberechtigter2 (weil mit etwas Nachdruck zu früh aus dem Bad geholt) und zwei schmollende Jugendliche in Weltuntergangsstimmung. Wir zotteln los. Die beiden Alten vorne. Die Jungen trötzelnd hinterher. Durch’s Niederdorf. Vorbei an ganz viel spannendem und historischem. Und der offenen Sakristei des Grossmünsters. Die normalerweise immer ziemlich geschlossen. Würden sie nicht auch? Zumindest den Versuch wagen, ihrer Jungmannschaft etwas Kultur vermitteln zu wollen? Würden sie, oder? Ich versuchte es zumindest. Darum betraten wir die Ausstellung. Um den Kids eine moderne Art von Kunst etwas näher zu bringen. Näher. Sehr nahe! 30 Sekunden. Ich schwör. 30 Sekunden und keine Sekunde länger dauerte es. Bis es Jungmannschaft gelang, dem sich in der Ausstellung befindlichen Objekt soweit zu nähern, dass dieses nachgab und sich in seine Einzelteile zerlegte. 30 Sekunden! Vorahnungen! Sie verstehen. Und wer war schuld? Wer? Ich natürlich. Ich wollte ja raus. Sie wollten nie raus. Und was ist das für Kunst, hinter der man sich nicht einmal verstecken könne. Zum Glück ist man ja Haftpflichtversichert. Da steht uns noch was ins Haus. Wir liefen weiter. Um runterzukommen. Was auch gelang. Zuletzt sogar mit einem Grinsen im Gesicht, weil eigentlich wie in einem Hollywoodstreifen.

Aber das war ja erst der Freitag.

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