Mann mit Stil

Man(n) kann gar nicht oft genug darüber schreiben. Wirklich. Ich schwör. Aber da, wo wir heute stehen, das liegt am Stil. Am fehlenden zumeist. Und damit meine ich nicht den Stil, den der derzeitige Bachelor bekommt, wenn er nach der Dusche vööööllig überraschend zwei junge Menschen in seinem Bett findet. Ich sage bewusst Menschen und benutze nicht das Wort Damen. Weil auch dies für mich etwas mit Stil zu tun hat. Nicht das ich nicht auch freudig überrascht wäre. Oder überfordert. Aber vor der Kamera? Nur der Quote wegen? Also bitte. Auch wenn es nur Fake ist. Und als cool empfunden wird. Von manchen Zeitgenossen. Wobei, wenn ich mit jungen Leuten in meinem Umfeld spreche. Dann tendieren die Meinungen in eine andere Richtung. 
Stil hat für mich persönlich damit zu tun, dass ich einigermassen aufrecht durch den Tag, das Leben gehe und mich am Abend im Spiegel noch ansehen kann, ohne dass dieser gleich ein paar Sprünge bekommt. Und es sind für mich die kleinen Dinge im Leben, die guten Stil ausmachen. Kleider spielen dabei eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Sofern nicht der halbe Hintern nackt aus der Hose und mir quasi ins Gesicht hängt. Aber dazu später ein bisschen mehr. Nein, Gelassenheit ist das Stichwort, welches in meinen Augen guten Stil ausmacht. Das man sich am Morgen von den Menschen in seinem Umfeld verabschiedet. Auf der Strasse den Einen oder Anderen auch mal grüsst, ohne ihn zu kennen. Anderen den Vortritt überlässt, auch wenn man selber im Stress ist. Solche Sachen. Andere Menschen durch sein tun positiv überraschen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. 
Gezaubert hätte ich am letzten Samstagabend auch am liebsten. Bessere Hälfte und ich beschlossen wieder Mal ins Kino zu gehen. Relativ kurzfristig. Das ist der Grund, warum wir uns Karten kauften, obwohl sich abzeichnete, dass der Saal wohl relativ ausgebucht ist. Hat auch ein bisschen mit Stil zu tun, eine Sache durch zuziehen, obwohl nicht alle Eckpunkte optimal sind. Item. Saal voll, nicht die allerbesten Plätze, aber trotzdem Kino. Der Film? Spielt keine grosse Rolle. Geht mehr um das Publikum. Aber der Film war gut. Sogar fast so gut, wie das Buch, das ich vorher gelesen hatte. Item. Wir sassen also im Kino. Pünktlich. Und hier beginnt es bereits. Ich kann ja verstehen, dass man es nicht pünktlich auf einen bestimmten Zeitpunkt hin schafft. Äussere Umstände halt. Für diese Fälle gab es früher sogar die Funktion eines Platzanweisers. Welcher dann diskret mit seiner Funzel den Weg zu seinem Platz wies. Das man sich heute wie eine Herde Kühe auf der Alp benimmt, die gerade einen Wolf gesehen hat. Nun ja. Ich fand es zum Teil ja noch ganz amüsant, am Telefongespräch der zu spät kommenden teilhaben  zu dürfen. Insbesondere zu den detaillierten Plänen für nach dem Kino. Während vorne bereits der Film lief, wohlgemerkt. Und man nach 10 Minuten wieder aufsteht, die ganze Sesselreihe noch einmal bemüht, weil man in der Hektik vergessen hat, auf die Toilette zu gehen. Kann man ja verstehen. Ich. Wirklich, ich schwör. Das ich auf ihren Fuss stand, als sie an mir vorbei drängte, das war wirklich reiner Zufall und nicht beabsichtigt. Von meinem Fuss zumindest. Von mir vielleicht schon. 
Was mich aber wirklich ein bisschen nervte, war das, was dann passierte. Im Stress hatte besagte Dame wohl auch vergessen zu Abend zu essen. Vorher. Das holte sie nach. Jetzt. Ausführlich. Stil! Wo ist er, wen man ihn mal wirklich braucht? Mit einem Hamburger hätte ich ja noch umgehen können. Auch ein Sandwich. Kein Problem. Musste etwas laut raschelndes sein? Unbedingt? Und den ganzen Film lang. Ist doch eigentlich auch ungesund, dieses künstliche Zeugs. Ich habe mich bemüht Stil zu zeigen. Stoisch. Bis zur Pause. Obwohl bessere Hälfte meine Hand immer stärker in ihren Schraubstock spannte. So kam es mir vor. Als es nach der Pause aber ebenso weiterging, kaum war das Licht aus, Madame kam natürlich wieder zu spät, und endlich sass? RaschelRaschel…….! 
Ich war freundlich und nett. Echt. Bot ihr an, Sie zum Nachtessen einzuladen, da sie ja offensichtlich an Hunger leide. Worauf Madame mir den Rücken zudrehte, nicht ohne dies zu Kommentieren. Ich verzichte hier auf die Wiedergabe ihrer Worte. Nur das ich keinen Stil hätte, dreht sich um, und hält mir dabei ihren halben nackten Hintern ins Gesicht. Weil zu knappe Jeans. Und jetzt Jeans und Hintern und das alles hin oder her. Aber bei diesem Anblick verging mir jeglicher Stil. 

Auch der vom Bachelor ;-) 


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