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Montagsmenschen

Eigentlich halte ich mich persönlich für einen eher rationalen Menschen. Weder bin ich allzu spirituell angehaucht, noch ernähre ich mich ausschliesslich vegan oder vegetarisch noch habe ich den Zigaretten und Alkohol total abgeschworen. Alles in massen halt. Man lebt ja nur einmal. Damit hätten wir auch geklärt, dass ich weder buddhistisch noch sonst wie religiös unterwegs bin.
Schon gar nicht glaube ich an die Kraft irgendwelcher Steine (obwohl ich selber ein Tigerauge habe), noch an Horoskope (woher auch, ich bin Löwe!) und auch nicht an Handlesen. Die Herz-, Kopf-, Schicksals- und Lebenslinie bilden in meiner linken Hand übrigens ein fettes „M“. Für alle, die es interessiert. Ich gebe auch zu, dass die Gestirne, insbesondere der Mond, evtl. etwas Einfluss auf Ebbe und Flut haben. Aber ihn anheulen? Bei Vollmond? Oder Werwolf? Eher nicht.
Also total rational. Eben. Wirklich. Ich schwör. Für mich sind auch alle Wochentage gleich. Ich stehe montags genauso mies gelaunt auf, wie freitags. Und ohne einen ersten Kaffee bin ich auch Samstag und Sonntag nicht ansprechbar.
Was ich hingegen bin, ist ein Vornamenmensch. Glasklar und zu 100 Prozent. Ich kann mir Menschen immer nur nach Vornamen merken. Auch wenn wir noch per Sie sind. Darum liebe ich ja auch diese spezielle Form der Anrede, bei welcher man sich mit dem Vornamen siezt. Klasse. Und ganz viel Stil. Liegt mitunter auch darin begründet, dass ich beruflich auf viele Menschen aus dem Ausland treffe. Menschen, technischer Natur. Im Informatikbereich. Damit dürfte auch ihnen klar sein, von welcher Art Nachnamen ich spreche. Luamthonglang. Oder Prochàzka. Oder Barman. Letzteres übrigens wirklich ein geläufiger Nachname in Indien. Der hat auch seine Vorteile. Weil mal im Ausgangmit ihm. In einer Bar. Ausgerechnet dann fiel mir der Vorname nicht ein. Also rief ich „Hallo Barman“. Worauf sich der Mann hinter der Theke nach meinen Wünschen erkundigte. Und verwirrt reagierte als ich entgegnete, sorry, ich meinte nicht dich, ich rede mit Barmann. Ging dann etwas länger, die Geschichte.
Zurück zu den Vornamen. Und meinem Arbeitsort. Der liegt nahe beim Schweizer Fernsehen. Was dazu führt, dass man, wenn man sich mittags am nahe gelegenem Park mit See die Beine vertritt, ab und an auf Prominenz trifft. Die dort selbiges tut. Oder gerade einen Spott dreht. Und man dem Kameramann aus Versehen durchs Bild läuft. Der hat übrigens auch Probleme mit Namen. Weil mein Vorname ist nicht „dummer“ und der Nachname auch nicht „Siach“.
Also letztens lief ich wieder durch diesen Park. Und wer kam mir entgegen? Roman. Sofort. Roman war mir sofort präsent. Ohne nachzudenken. Nur der Nachname. Der nicht. Und da wir per Sie sind. Musste ich den Nachnamen haben. Also begann ich im Kopf zu recherchieren. Auf die eine Seite alle Romans, auf die andere Seite alle Nachnamen, die mir dazu einfielen. War leider nur einer. Also immerhin. Aber trotzdem leider. Und hier kommt nun der Moment, wo der Frosch ins Wasser rennt. Weil, wenn mir nur ein Nachname einfällt und ich sofort weiss, nein, der kann es nun wirklich nicht sein, dann sage ich lieber nichts. Oder nur einfach Grüezi. Oder laufe einen anderen Weg. Und vermeide Augenkontakt. Hier gab es aber nur einen. Weg. Und Augenkontakt hielt er auch. Dieser Roman.

Aber es ist Montag. Und dann noch dieser Supermond. Nur darum ist es passiert. Ich schwör. Und sage „Grüezi, Herr Polanski“. Zu Roman......Kilchsberger!

Jetzt! Jetzt weiss ich ihn wieder. Den Nachnamen.


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Wasser bis zum Hals

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