Alles tip top

So oder so. Ganz einfach. Man kann es so oder so sehen. Sie hatten einfach die Nasen voll. Die Amerikaner. Und setzten ein Zeichen. Damit haben Sie sich die Suppe eingebrockt, die sie nun auch bitte auslöffeln müssen. Und man kann von ihrem neuen Präsidenten halten, was man will. Auch wenn man ihn gar nicht kennt. Nur das Bild aus den Medien. Und das die auch nicht über alle Zweifel erhaben…aber lassen wir das. Jetzt ist er gewählt und nun soll er sich bitte schön beweisen. Diese Chance hat er zumindest verdient. Wer ohne Fehl und Tadel, werfe den ersten Stein. Ich habe ja die leise Hoffnung, er wächst an seinen Aufgaben und der Verantwortung. Zumindest bringt er frischen Wind. Wir werden sehen. Für eine, oder auch mehrere, Überraschung ist er wohl wirklich gut.

Damit wieder zum Alltag. Und den Überraschungen. Auch ich werde immer wieder Überrascht. Das freut mich eigentlich. Weil meistens positiv. So auch gestern. Ich lebe nun wirklich schon einige Zeit im Niederdorf. Wieder. Weil früher auch schon mal. Dazwischen? Randwohnlage. Aber oft zu Besuch. Im Dörfli. Also eigentlich gar nie wirklich weg. Weil ich nicht nur hier wohne, sondern Interessierten auch die Gelegenheit biete, Zürich durch meine Stadtführungen besser kennen zu lernen. Weil ich die Altstadt ziemlich gut kenne, darum dachte ich, ich kenne wirklich jeden Winkel. Tatsächlich fahre ich auch fast tagtäglich daran vorbei. Durch den Seilergraben. Mit dem Tram. Zwischen Haltestelle Neumarkt und dem Central. Jaaaaa, ich weiss. Es gibt in diesem Abschnitt auch ein Bordell. Und ja, ich kenne es. Von aussen. Von innen auch. Jetzt fallen sie nicht gleich in Ohnmacht, mein Gott. Vor langer Zeit, als die Damen noch Schweizerdeutsch sprachen, gab es dort eine, die wusste ganz lustige Geschichten zu erzählen. So manch einer bekäme heute noch rote Ohren. Geschichten. Mehr war da nicht. Das können sie jetzt glauben oder nicht. Können wir jetzt wieder weg von diesem Bordell? Gut.
Ich meine nämlich ein Gebäude etwas weiter vorne. Näher am Neumarkt zu. Kannte es vom Sehen. Auch, weil da spät Abends oder früh morgens, das können sie halten wie sie wollen, immer ein paar Leute vor der Türe standen. Und rauchten. Ich nahm mir immer wieder mal vor, der Sache auf den Grund zu gehen.

Gestern Abend war es nun soweit. Auf unserem abendlichen Spaziergang. Bessere Hälfte und ich. Unser Stammlokal meidend, wendeten wir uns diesem Lokal zu. Und traten ein. Was uns zuerst empfing, nach dem Lächeln des Barmanns, waren die Schlagerklänge aus einer alten Musikbox. Dazu das Glitzern einer dieser 60er Jahre Discokugel an der Decke. Insgesamt ein Interieur aus längst vergangenen Zeiten. Aber sehr sympathisch. Der Barmann, ganz freundlich und aufmerksam, erkundigt sich nach unseren Wünschen. Und wirklich. Ich schwör. Es fiel mir nicht auf. Obwohl eigentlich so offensichtlich. Liegt vielleicht am Alter. Meinem. Ich begann ein bisschen Smalltalk zu machen. BlaBla, BlaBli und BlaBlo und so. Und dass ich schon seit x Jahren im Niederdorf unterwegs, aber noch nie in dieser Bar gewesen und so. Dabei stupft mich bessere Hälfte schon die ganze Zeit gegen mein Bein. Ich dachte wirklich, ich hätte etwas falsches gesagt. Und meinte zu ihr, warum stupft Du mich den die ganze Zeit? Hast Du nicht gesehen, wie der Barmann freundlich lächelte, wie ich ihm sagte, dass ich noch nie hier gewesen sei?
Dass er auf meine Bemerkung hin lächelte und sich dachte, dass ich als Hetero auch nichts in einer Schwulenbar verloren hätte und darum vermutlich noch nie hier war, dass wurde mir erst durch bessere Hälfte klar. Und auf einmal ergab alles einen Sinn. Die Schlager, das rötliche Licht, die als Dragqueen verkleidete Barbiepuppe und das etwas geziert sprechende Publikum. Und wissen sie was? Hammer! Ich finde diese Bar der absolute Hammer. Das meinte auch ein alter Bekannter, den wir auf dem Heimweg trafen. Auf meine Frage hin, was er uns zur Tip Top Bar erzählen könne? Was? Da warst Du noch nie? Die sollte man eigentlich unter Denkmalschutz stellen. Das sei einer der letzten ihrer Art. Und da gäbe es ein paar ganz lustige Geschichten darüber. Ich könne ja mal mit ihm auf ein Bier da hingehen, süffisant lächelnd.


Tip Top! Jetzt aber Obacht.

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