Direkt zum Hauptbereich

Jugend, oder die Sache mit dem Stil

Da können sie jetzt sagen was sie wollen. Wenn sie mich kennen. Oder auch nicht, von mir aus. Wirklich. Im Ernst. Ich widerspreche ihnen nicht. Aber ehrlich. Ich bezeichne mich persönlich als relativ offenen und aufgeschlossenen Menschen. Ich wandle sehenden Auges durch das Leben und bemühe mich, ernsthaft, nicht allzu voreingenommen zu sein. Mir immer erst einmal die andere Seite anzuhören. Kann ja sein, diese hätte ein stichhaltigeres Argument als ich. Kann wirklich sein. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und wenn dem wirklich so ist, dann kann ich auch mal die Klappe halten. Oder aber auch, weil ich einfach nicht auf die Argumente der Gegenseite eingehen möchte, weil schlicht zu doof. Die Argumente. Die Gegenseite mitunter manchmal auch.
Ich gehe also ziemlich offen durchs Leben und letztens in einen dieser speziellen Shops meines Smartphone Herstellers. Sehr stylisch, sehr hipp, sehr modern. Und leicht genervt. Ich. Weil mein Smartphone nicht mehr zu laden war. Es weigerte sich einfach. Den Grund herauszufinden, dringend, entschloss ich mich darum zum Besuch eben dieses Shops. Jetzt weiss man, als aufgeschlossener und gut informierter Mensch, der auch mal selber denkt und sich informiert, es ist nicht immer ganz einfach. In diesen Shops. Wegen der Mitarbeiter. Respektive der Servicepolitik des Unternehmens. Weil, Schuld sind erst einmal immer die Anderen. Insbesondere die Nutzer deren Produkte. Gehört quasi zum Image. Und das lässt man den Kunden erst einmal spüren. Demut quasi. Weil demütige Kunden einfacher zu handeln. Sinnbildlich? Eine Person, die erst einmal drei Kopfnüsse kassiert hat, sinnbildlich, die kuscht und streckt nicht noch mal so schnell den Kopf aus der Deckung. Für eine vierte Nuss. Ich denke, sie verstehen, was ich meine. Das dem so ist, von wegen der Behandlung, das weiss man ja. Trotzdem kauft man deren Produkte. Der Mensch ist gerne ein bisschen masochistisch veranlagt.
Mit dieser Einstellung im Hinterkopf also unterwegs zu eben diesem Shop. Leicht grantig auch noch dazu. Dies führte dazu, dass ich wie eine bis unter den Toppen aufgetakelte Kriegsfregatte auf den ersten freien Mitarbeiter zu segelte. Bereit, erst einmal eine Breitseite abzufeuern. Aus allen Rohren und Prinzip. Aber ehe ich die Flamme an die Lunten halten kann? Was passiert? Eine Gegenmassnahme des psychologisch geschulten Mitarbeiters. Mich freundlich grinsend per Du anzuquatschen. HalloDuwiegehtesDirschöndasDuhierbistundwiekannichDirhelfenmitunserenbestenProduktenderWelt!? Dabei tippte er schon heftig auf seinem Tablet herum. Ich bin 54. Mein Gegenüber? Geschätzt? 21. Und der quatscht mich erst einmal per Du an? Soll ich mich jetzt gebauchpinselt fühlen? Oder wie, oder was? Jetzt bin ich sowieso einer, der eher sparsam mit diesen Du's umgeht. Sparsam und wenn, dann auch nicht sofort. Ein Du soll verdient sein. Hart erarbeitet. Meine Meinung. Ehe ich mit meinem Gegenüber nicht mindestens rotzbesoffen unter einem Tisch lag, dann Du eher unwahrscheinlich. Oder noch länger dauernd. Da bin ich heikel. Und altmodisch. Denken Sie, was sie wollen. Dann lieber noch nach der alten Mode, Vorname, verbunden mit der Sie-Form. Sie, Alexander, könnten Sie bitte.... Finde ich Hammer. Hat Stil. Können heutzutage nicht mehr viele. Kennen und können nicht. Wie auch.
Der im blauen T-Shirt auch nicht. Tippt weiter auf seinem Tablet rum und er helfe mir natürlich sehr gerne und immer und jederzeit und sowieso und ob ich denn einen Termin hätte. Weil ohne Termin, quasi Du am Arsch. Hätte ich natürlich nicht. Wie soll ich denn einen Termin im Voraus abmachen, wenn ich noch nicht weiss, dass dann mein Smartphone aussteigt. Und wenn es denn aussteigt, dann brauche ich auch keinen Termin mehr, sondern Hilfe. Und zwar ziemlich rasch. Du hin oder her. Das versuche ich klar zu machen. Was mir scheinbar auch gelingt. Weil, manövriert mich besagter Mitarbeiter doch an einen langen Tisch, an welchem schon eine ganze Menge anderer Du’s auf Hilfe warten. Einige schon länger. Dem Alter nach. Es käme dann gleich ein weiterer Mitarbeiter, irgendwann, gleich, der mir dann sofort helfen könnte. Würde. Ganz bestimmt. Ich sitze also und warte. Und beobachte. Dabei fällt mir eine ältere Dame neben mir auf. Besitzerin eines ziemlich verbeulten Notebooks. Daneben ein Notizzettel mit allen Kenn- und Passwörter. Mail, Admin-Konto, FB, Internetbanking. Und weil so schön im Du-Flow und um auch nicht aus der Reihe zu tanzen, weil sich hier ja alle Duzen, spreche ich die Dame an. Du, willst Du nicht diesen Notizzettel lieber versorgen? Oder zumindest umdrehen? Ich finde das ein bisschen Dings, äehm, fahrlässig mit all diesen Daten drauf, die ich selbstverständlich NICHT gelesen habe! Ich schwör. Von der Dame ein schräger Seitenblick. So von leicht oben herab. Erstens, was mich das anginge und Zweitens könne Sie mir jungen Spund so einiges erzählen in Sachen Computer und Drittens, was mir einfalle, Sie so einfach zu Duzen. Na, weil dies hier ja alle tun, entgegne ich. Ja, dass hätte dieses Jüngelchen da vorne bei ihr auch schon probiert, dem hätte sie aber schön die Meinung gegeigt. Wo kämen wir denn da hin, wenn das einfach alle machen würden. Der Sieze sie jetzt aber schön in Zukunft.

Ich hätte Sie küssen können.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wasser bis zum Hals

Eigentlich, eigentlich habe ich kein Problem mit Alkohol. Wirklich nicht. Ich schwör. Auch nicht ohne, ihr Scherzkekse. Gelegentlich mal ein Glas Rotwein. Hie und da. Auch mal einen Grappa nach dem Essen. Und wenn ich dann mal in eine Bar gehe, dann auch einen Drink. Oder zwei. oder drei. Nicht mehr. Mich hat noch niemand nach Hause tragen müssen. Rollen schon. Aber tragen? Nein. Da kenne ich andere. Ohne jetzt hier Namen zu nennen.
Ich bin auch eher, wenn, dann der Typ stiller Trinker. Weil. In einer Beiz aufgewachsen. Und zuviel erlebt, was zuviel Alkohol aus Menschen machen kann. Insbesondere auf der verbalen Ebene. Würde auch. Je mehr Alkohol, desto weniger. Das ist wie bei Professor Otto. Je schiefer das Brett, desto schneller das "Zisch" und umso lauter der Bums. Oder so. Wobei die meisten mit zuviel, dann ja kein Bums mehr. Auch wenn sie gerne würden.
Nur ganz selten, wenn wirklich alle Umstände zusammen kommen. Dann, dann kann es auch mir passieren. Dass meine Stern…

Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…