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Schlimmer kommt's immer

Nach meinem letzten Flug von Zürich nach Bremen, inkl. Kaffee-Dusche, dachte ich, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Ausser vielleicht Absturz. Das es auf dem Rückflug dann schon schlimmer kam, konnte man ja auch wirklich nicht ahnen. Der Grund war Egon. Oder wie immer auch der Orkan hiess, der sich über Nordeuropa austobte. Wie kann man einen Orkan nur Egon nennen? Hat der Meteorologe mal in der Werbung gearbeitet? Die kommen auch immer auf so lustige Ideen. Jedenfalls tobte Egon. Und in meinem Bauch tobte der Magen. Es blies heftig. An meinem Arbeitsplatz, der sich in unmittelbarer Nähe zum Flughafen befindet, drohte das Dach wegzufliegen. So heftig. Just am letzten Freitag. Es begann bereits in der Nacht vorher und steigerte sich dann tagsüber kontinuierlich. Bei mir steigerte sich zeitgleich die Nervosität. Am Scheitelpunkt, des Sturmes und der Nervosität, begann ich meinen Glauben wieder zu finden und Stossgebete auszustossen. Motto: Nützt es nicht, so schadet es zumindest auch nicht. Aber mehr innerlich. Weil, auf den Knien im Büro rumzurutschen und den Wettergott um Gnade anzuflehen, das fand ich dann doch etwas zu heftig. Aber ich war nahe dran. Glauben sie mir. Ich schwör.
Die lokalen Damen und Herren nahmen es relativ gelassen. So ein Wetter sei man hier gewohnt. Auch die Piloten seien es. Hingegen, wenn auch nur drei Schneeflocken fallen, dann werde der Betrieb eingestellt und Chaos ausbrechen. Woher kam mir das nur bekannt vor? Dennoch begann ich den Zugfahrplan im Internet zu konsultieren. Sicher ist sicher. Gegen Abend wurde das Wetter dann besser. Sagten die Einheimischen. Die Bäume kippten einfach nur noch um, anstatt mit den Bauabschrankungen durch die Lüfte um die Wette zu segeln. Also ab zum Check-In und in den Flieger. Machen wir es kurz. Da ich diese Geschichte schreibe, bin ich offensichtlich angekommen. Lebend. Aber eines kann ich ihnen flüstern. Wenn mir ein Pilot noch einmal vor dem Flug sagt, es könne UNTER UMSTÄNDEN auf dem Weg nach Zürich ETWAS (!) SHAKY (!!) werden, dann steige ich wieder aus. Auch wenn wir schon 10 Meter über Boden sind. Zum Glück hat man aufgrund der Situation auf ein Catering an Bord verzichtet. Vermutich wollte man die Passagiere nicht durch umherfliegende Trollys unnötigerweise beunruhigen. Weil, beunruhigt waren wir schon genug. Insbesondere die Reihe Asiaten hinter mir. Die waren zuerst ganz gelb im Gesicht, und dann grün. Und  dann hörte ich nur noch: "WHERE IS THE PAPERBAG"??. Was ich danach hörte, beschreibe ich ihnen lieber nicht. Das wollen sie nicht lesen. Wirklich nicht. Ich wollte es nicht mal hören. Es gehört ja zu asiatischen Gepflogenheiten, dass man beim Essen schmatzt. Daher bin ich mir so einiges an Lautäusserungen gewohnt. Aber dies übertraf alles. Das bekomme ich nie mehr aus den Ohren. Mir blieb nur zu hoffen, das man "Paperbag" auch wirklich rechtzeitig gefunden hat und sich zu den Kaffeeflecken des Hinflugs nicht auch noch ganz andere Flecken gesellten. Übrigens. Sie kennen diese Kotztüten in den Fliegern? Auch deren Grösse? Ich bin überzeugt, das eine nicht gereicht hat. Den Geräuschen nach. Da kam deutlich mehr.
Apropos zum Kotzen. Das fand auch einer der verbliebenene Karikaturisten dieses Magazines in Paris. Nicht das Attentat selber, wobei das vermutlich auch, sondern die Reaktion der Leute darauf. Und ganz ehrlich? Ich kann ihn ein bisschen verstehen. Nehmen sie es mir bitte nicht übel. Auch ich verurteile Gewalt und Extremismus in dieser Form. Auf's Schärfste. Wirklich. Mir tun auch die Hinterbliebenen der Opfer leid. Sehr sogar. Aber wo bleiben all die "je suis Charlie", wenn vor Lampedusa wieder mal ein paar nicht mehr ganz so lebendige Flüchtlinge im Meer treiben? Oder Kinder in Asien unter unwürdigen Umständen Pullover und Schuhe herstellen, die dann von vielen dieser "Je suis Charlie"-Leute, auch in Paris, gekauft werden? Geht für mich nicht ganz auf. Aber macht nichts. Auf der Welt geht nach ein paar Tagen bereits alles wieder seinen alten Trott und die meisten Facebook-Profile zeigen nun mehr die alltäglichen Selfies.

Jeder Sturm legt sich irgendwann. Sei es Egon, oder der, der Entrüstung.

Übrigens. Bei nachstehendem Bild handelt es sich NICHT um den Inhalt oben genannter Beutel. Auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit durchaus....Nein! Es ist Labskaus. Mein heutiges Mittagessen. Eine lokale Spezialität, habe ich mir sagen lassen. Was da alles drin ist? Ein wenig "Ach, tatsächlich?", etwas "ohje, wirklich?" Und viel "OMG!'. Mahlzeit.


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