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Gaston

Während ich noch in diesem Cafe sitze und an der Story "Voll erwischt" schreibe, geschieht in meiner unmittelbaren Umgebung schon die nächste Katastrophe. Die Beteiligten? Ein älteres Ehepaar aus einer anderen grossen Stadt in der Schweiz, mit ausgeprägtem Akzent. Das Paar. Und die Bewohner der Stadt. Die Stadt selber ganz nett. Des weiteren ein Vater in mittleren Jahren mit seinem quengelndem Sohn. Ein vorweihnachtlich ausgepacktes Weihnachtsgeschenk. Viel Hektik, zwei 1,5 Volt Batterien des Orientalen aus "Voll erwischt", sie eirinnern sich, Gaston und ich.
Gaston bedarf noch einer Erklärung. Er ist der Protagonist eines gleichnamigen französiscchen Comics. Auf einer Redaktion arbeitend, stets etwas schusslig, aber immer an das Gute im Menschen glaubend. Was meistens in die Hose geht. Aber voll. Weniger für ihn selber, als für alle anderen Beteiligten. Und gleichnamiger Comic lag vor mir auf dem Tisch. Ja, ich gebe es ja zu! Ich lese mit meinen 52 Lenzen noch Comics. Und ehrlich gesagt. Ich finde es der Hammer. Und wie in einem solchen Comic begann ich mich nun langsam zu fühlen. Weil Kettenreaktion. Oder zumindest Verkettung unglücklicher Umstände. Und etwas schwarze Magie. Vielleicht. Also zumindest keine ganz weisse. Ich schwör!
Es war offensichtlich, das sich dieses ältere Paar andere Umstände gewohnt ist. Zumindest, was die Umgebung angeht, in welcher Madam ansonsten ihren Kaffee einzunehmen pflegt. Aber in der Not frisst der Teufel fliegen. Das sage nicht ich. Also manchmal schon. Nein, das sagte die Dame. Zu ihrem Angetrauten. Und okkupierte den Platz neben mir. Das sei ja unvollstellbar voll heute (Samstag vor Weihnachten), das hätte sie nie gedacht (Samstag vor Weihnachten) und was die Leute nur alle hier wollten, Samstag vor Weihnachten (laut ausgesprochen). Das sei ja unglaublich. Nei, das sei würkli nümm uuuszhalte. Was möched nur all dia Lüt do? Ich war versucht, es ihr zu sagen. Ich schwör. Ihr Angetrauter offensichtlich auch. Beide trauten wir uns dann aber doch nicht. Dafür traute Dame sich und schickte ihn an den Tresen. Um Kaffee und was Essbares. Schön, dachte ich. Dann gibt sie hoffentlich Ruhe. Schön, dachte auch der Angetraute. Vielleicht verlaufe ich mich ja. Irgendwo falsch abgebogen. Wie in dieser Möbelhauswerbung. Und nie mehr zurück gefunden. Das schloss ich aus seinem Gesichtsausdruck. Aber vermutlich gut dressiert. Kam zurück mit zwei Kaffee und zwei Croissant, gefüllt mit Käse und Schinken. Jetz muss man wissen. Was sich Madame unter Croissant vorstellte, war meilenweit davon entfernt, was die Kaffeehauskette unter dieser Bezeichnung vetreibt. Also aussen schon Croissont. Aber innen? Innen Vollgummi. Das wissen jetzt auch die rund 50 Gäste im Lokal. Persönlich und mit Nachdruck informiert von Madame selber. Ich war versucht, den Ort des Grauens vorzeitig zu verlassen. Wenn ich nicht aus den Augenwinkeln beobachtet hätte, wie sich vor geraumer Zeit ein Vater mit seinem Sohn an einem Tisch in der Nähe niedergelassen hätte. Das allein noch nicht der Rede wert. Aber der Vater war wohl schon länger im Getümmel unterwegs. Der Sohn natürlich auch. Und entsprechend genervt. Der Sohn. Der Vater sowieso. Und freute sich auf einen Kaffee. Der Sohn freute sich auf Weihnachten. Und das Geschenk. Und weil Weihnachten noch soweit weg, wollte Sohn nicht mehr warten mit freuen. Und begann das Geschenk auszupacken. Dem Vater war's egal. Keine Nerven mehr, sie verstehen. Und vermutlich dachte er auch, es braucht sowieso Batterien für diesen Minihelikopter. Und die gibt es hier eh nicht. Also risikolos. Und da kommt nun  dieser Orientale aus "Voll erwischt" zum Zug. Der hatte nämlich nicht nur Laptop und Maus und keine Bombe in der Tasche, nein, der hatte auch Batterien. Und ein Einsehen mit Junior. Oder zumindest eine Art teuflischen Humor.
Ich schwör. Wirklich. Es war reiner Zufall. Und keinesfalls von mir so herbeigesehnt. Also höchstens ein kleines bisschen. 

Aber das sich der ausser Kontrolle geratene Minihelikopter ausgerechnet die hochtoupierte Frisur der älteren Dame als Landeplatz aussuchte, das war Slapstick pur. Und mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Gaston hätte es nicht besser machen können. Dieses mal ;-)


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