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Boarding

Lustig. Oder auch nicht. Nicht für Alle zumindest. Der Artikel in einer grossen Sonntagszeitung letztes Wochenende. Darin wurde die These diskutiert, das, je weniger ein Volk im Durchschnitt gebildet ist, dessen Mitglieder umso mehr zur Gewalt neigen. Dies in Zusammenhang mit den jüngsten Vorkommnissen, nicht nur in Paris. Der Autor wurde auch ziemlich deutlich, um welche Volksgruppen es sich dabei um seiner Meinung nach handelt. Klasse, dachte ich. Wird ja wieder ein Aufschrei der Wut und des Ärgers durch die Massen wogen. Verbunden mit der Aufforderung, nach Gewalt und Terror und Tod und Vernichtung. Weil, wer uns beleidigt, beleidigt auch unseren Chef da oben und das geht ja gar nicht. Sie sehen, ich bemühe mich niemanden persönlich anzugehen. Nicht weil ich irgendwelche Repressalien befürchte. Nein, aber man muss ja nicht unbedingt noch mehr Öle ins Feuer giessen.
Dennoch. These, je doofer ein Volk, desto gewaltbereiter. Und jetzt spannend. Solchen Thesen gegenüber ist ja immer eine Portion gesunde Skepsis angebracht. Aber. Reaktion? Keine. Zumindest mir keine bekannte. Nichts. Absolute Stille. Nicht mal der Hauch eines Rauschens im Blätterwald. Fast ist man versucht, dem Autor glauben zu schenken. Weil, da war auch was von Analphabetismus. Und vielleicht verstehen sie ja wirklich nur Bilder. Weil allzu gewaltbereit, daher ungebildet und daher nicht lesen können. Weiss jetzt gerade nicht so genau, was mich mehr entsetzen soll. Denn, wenn er Recht hätte, der Autor, dann vielleicht auch damit, das man deren Probleme nicht dadurch lösen kann, sie hierher zu holen, sondern vor Ort ansetzen müsse. Und das es mindestens zwei Generationen lang dauern würde, bis auch nur der Ansatz einer Veränderung in der Denk- und Verhaltensweise erkennbar wäre. Da stehen uns ja noch lustige Zeiten bevor.
Da habe ich ja Glück, bin ich angehöriger einer Volksgruppe, die einigermassen gebildet scheint und Methoden der rohen Gewalt im finsteren Mittelalter hinter sich gelassen hat. Damit also in der Lage ist, anstehende Probleme mit dem nötigen Quantum an Intelligenz in konstruktiven Gesprächen zu lösen. Und nicht gleich wieder zur Keule zu greifen, wenn es mal nicht so läuft wie geplant. Dachte ich. Wirklich. Ich schwör. Bis zu meiner Flugreise letzten Sonntag. Deren Ausgang lag in einer Stadt im Lande der grossen Dichter und Denker. Also viel Bildung und Intelligenz und gemässigt und überhaupt. Dings. Die Aus- und Eingänge des Fliegers lagen vorne und hinten. Und es lag sicher nicht an mangelnder Information. Die Durchsage im Bus war eindeutig, klar und verständlich. Passagiere mit den Sitznummern so und so, bitte den vorderen Eingang benützen, Passagiere mit Sitznummern da bis dort, bitte den hinteren. Also alles klar. Und nicht das sie jetzt meinen. Autor und so. Nein, es waren fast ausschliesslich Angehörige des hiesigen Volksstammes im Flieger. Zumindest der Sprache nach. Und die war klar zu verstehen, weil zum Schluss dann doch ziemlich heftig. Und laut. Es waren auch nur ein paar, die zwar Sitznummer so und so hatten, aber dennoch hinten einstiegen. Ein paar Andere mit Sitznummer da bis dort, vorne. Getroffen hat man sich dann in der Mitte. Zunächst der, des Flugzeuges. Zu guterletzt dann der des Gesichts. Auf der Nase. Aber voll. Nur weil man sich nicht ganz einig war, wie intelligent und gebildet und diskussionsbereit der jeweils andere nun war. Oder zu sein hatte. Und wer warum wem Platz zu machen hätte. Es dauerte dann noch eine kleine Weile, bis wieder Courant normal hergestellt war und jeder wieder seine Nase und seinen Hintern am richtigen Platz hatte.

Ich musste den Zeitungsartikel noch einmal lesen, weil, vermutlich habe ich etwas nicht ganz verstanden. Übrigens. Es ist erst knapp 14 Tage her, aber haben sie wieder mal etwas von Charlie gehört? Oder gelesen?


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