Zack, Bumm, Fertig

Eigentlich begann es schon viel früher. Nicht erst gestern Abend. Es begann im HB. Mit einem Brüller. Am Weihnachtsmarkt. Nicht das der Weihnachtsmarkt der Brüller wäre. Seien wir doch mal ehrlich. Ein Weihnachtsmarkt in einer Halle? Unter Dach? Ohne Schnee und kalter Luft? Zumindest ohne Regen?Kein Weihnachtsmarkt, sag ich da nur. Da ändern auch die weissen, einen nicht vorhandenen Schnee simulierende Folien auf den Dächern der Stände nichts daran. Der Brüller war Ruedi. Also Ruedi so oder so der Brüller. Aber dieses mal akustisch. Quasi Rufer in der Wüste. Weil Verarsche. Sagt er. Ruedi. Und darum Brüller. Er sei nämlich extra von ausserhalb an den Markt gekommen. Wegen Glögg. Ganz ein übles Gesöff. Schwedisch. Vermutlich. Sicher aber nordländisch. Ähnlich unserem Glühwein. Nur süsser, Und obendrein noch Mandelsplitter und Rosinen. Ruedi trinkt das. Von Herzen gern. Und kommt dann, wie jedes Jahr, extra an der Markt. Weil nur da der echte, der richtige Glögg. An einem echten, richtigen Stand. Aus Schweden. Dachte Ruedi. Und schwärmte. Andere wohl auch. Nur die Schweden können das. Einen richtigen Glögg zubereiten. Und begann mit dem Standbetreiber auf Englisch. Weil ein Schwede wohl kaum Schweizerdeutsch. Annahme. Etikettenschwindel sag ich da nur. Weil, der Stand vielleicht schon Schwedisch. Zumindest angeschrieben. Aber der Verkäufer? Innerschweizer. Dem Dialekt nach. Und von Englisch keine Spur. Kennen sie Maikäfer? Diese grossen, braunen Käfer, die vorwiegend im Juni fliegen? Warum dann eigentlich Maikäfer? Aber man sagt ja auch Oktoberfest, obwohl im September. Egal. Käfer. Haben sie mal einen losfliegen sehen? Dann wissen sie, von was ich spreche. Die beginnen vor dem Fliegen nämlich zuerst sich aufzupumpen. Zumindest sieht es so aus. Ruedi begann ebenfalls. Zu pumpen. Und wenn Ruedi damit anfängt, dann sieht man sich mit Vorteil schon mal nach einem Unterstand um. Vielleicht wäre alles noch anders gekommen. Und Ruedi nicht in die Luft gegangen. Aber neben dem Glögg lagen noch Lussekat. Eine Art schwedischer Grittibänz. Nur anders. Von der Form her. Ruedi hätte gern so ein Teil gehabt, Zu seinem, nun doch nicht so ganz schwedischem, Weihnachtspunch. Vorsichtig geworden, wollte er vom Innerschweizer Standbetreiber wissen, woher die den kämen. Vielleicht in der Hoffnung, zumindest die aus Schweden. Oder mindestens nach schwedischem Rezept, aber in der Innerschweiz gebacken. Vielleicht sogar von einem schwedischen Aupair. Keine Ahnung. Das bezieht sich nicht darauf, ob das Aupair aus Schweden kam. Oder sonst woher. Nein, dass war die generelle Antwort des Verkäufers. Er hätte keine Ahnung, woher die Teile kämen, er verkaufe sie nur. Und Ruedi pumpte nicht mehr. Ausgepumpt. Respektive voll. Und das entlud sich nun. In einem Brüller. Eine Sekunde war es still am und im Markt. Sehr still. Fast schon weihnachtlich. Man hat die Tannennadeln des Weihnachtsbaumes fallen hören. Der begann nämlich vor Schreck zu nadeln. Im Gegensatz zu dem kleinen schwarzen Pinscher, der älteren Dame, die neben uns Stand. Noch ganz erstarrt. Der Pinscher begann vor Schreck nicht zu nadeln, sondern zu nässen. Also er pinkelte. An den schwedischen Stand des Innerschweizers. Einfach Zack, Bumm und Fertig.

Recht so.

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