Orientierungslosigkeit

Nun gut. Woher sollen sie es auch wissen? Wenn selbst die Alten heutzutage einer gewissen Orientierungslosigkeit unterliegen? Respektive Orientierung schon, aber eher nach hinten. Oder unten. Beispiel? Wir erscheinen in einer Rangliste auf Platz 8. Das ist sehr gut. Weil, wir könnten auch Platz 9 oder 25 halten. Anstatt sich nach oben zu orientieren. Im Sinne von, was fehlt uns für die Plätze 7-2? Oder gar für den ersten Platz? Also lieber nach unten schauen. Warum? Es kaschiert das eigene Unvermögen. Und ist bequemer. Vermeintlich. Diesen Trend stellle ich in den allermeisten Reaktionen auf die, besonders zu dieser Jahreszeit, grasierenden Ranglisten fest. Oder auch bei der kürzlich in Zürich 3 & 4 stattgefundenen Kinderdemo. Nach hinten orientieren. Statt vorwärts. Dumm geboren und nichts dazugelernt, könnte man es auch formulieren. Aber hierzu wurde schon genug gesagt. Wobei man eigentlich garnicht genug dagegen anschreiben kann. Aber Dummheit ist nun mal leider unausrottbar, Reda. Da hilft alles aufregen und dagegen anschreiben nix.
Eigentlich geht es in dieser Story aber um eine ganz andere Geschichte. Thema schon auch Orientierung. Nämlich merine eigene. Örtliche. Hier in Zürich, aber auch an anderen Orten in Europa. Und mehr horizontal als nach oben oder unten. Ich orientiere mich nämlich räumlich nach einer internationalen Kaffeehaus-Kette. Deren Name beginnt mit einem "S" und hört mit ".tarbucks" auf. Aber ich will hier keine Werbung machen. Die machen sie nämlich selber. Nur, ich gerate immer wieder in Diskussionen. Fast schon Anfeindungen. Sicher aber immer wieder an Vorwürfe. Wie kannst Du nur! Der Kaffee ist schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind schlecht. Das Image ist schlecht. Und sie sind wie Facebook. B Ö S E! Ganz. Furchtbar. Böse. Und jetzt spannend. Das zum Beispiel diese Fleischfirma im Bündernerland wirklich böse ist. Weil sie ihren Kunden quasi ein X für ein U vormachte, im übertragenen Sinn. Das auf einmal kein Thema. Oder nicht so schlimm. Oder diverse Grossverteiler gelegentlich, aber wirklich nur ganz gelegentlich, etwas an Verfallsdaten an den Produkten in ihren Kühltheken schrauben. Auch nicht böse. Von gewissen Vorkommnissen in der Finanzbranche ganz zu schweigen. Oder wenn man wieder einmal von Preisabsprachen liest, oder ganz anderen Absprachen beim Bund. Egal. Kaffehaus böse. Und drum geht man nicht hin. Niemand. Schade nur, dass man vor lauter "Niemand geht hin", manchmal kaum einen Platz findet. Ich gehe gerne hin. Und nicht nur weil es Wlan hat, wie man mir schnöde unterstellt. Das hat es mittlerweile auch in vielen, aber immer noch zu wenigen, anderen Kaffeehäusern. Auch nicht unbedingt wegen des Kaffee's, den ich aber eigentlich gar nicht sooooo schlecht finde, ehrlich gesagt.
Es ist der Groove. Neudeutsch für Atmosphäre. Internationalität. Business. Geschäftigkeit. Projekte. Jeder der hier sitzt hat gerade irgendein spannendes Projekt am laufen. Scheint zumindest so. In vielen Fällen entspricht es vermutlich sogar der Wahrheit. Und nicht zuletzt, diese Orientierung nach vorne, die man spürt. Zu spüren glaubt. Überall in diesen Locations. Egal ob in Zürich, Berlin, New York und London, oder wo auch immer. Gehen sie mal dagegen in eines der etwas angestaubten, traditionellen Cafes. Ich will ja nicht mosern. Und gestehe, es gibt Ausnahmen. Das Grande am Limmatquai zum Beispiel. Und sicher auch Andere. Aber in der grossen Masse? Orientierung doch lieber nach hinten. Und eine Schale mit in Plastik verpackten Guetsli auf dem Tisch. 

Sie verstehen, was ich meine?

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