Direkt zum Hauptbereich

Franzosen

Mir ist bewusst, man könnte den Titel etwas falsch verstehen. Insbesondere, weil ich ihn in der ursprünglichen Fassung mit einem Ausrufezeichen versehen hatte. In etwa so, wie der Zürcher das Wort "Aargauer!" ausspricht. Oder "Basler!". Als würde er dazu gleich noch ausspucken. Der Zürcher. So einen richtig dicken Grünen.....nicht diese feuchte Aussprache, wie sie manchen Menschen zu eigen ist. Mir übrigens auch ab und zu. Aber nur in der Begeisterung. Oder Hektik. Dabei war das gar nicht meine Absicht. Ich schwör. Also das mit den Franzosen nicht. Das mit den Aargauern und Baslern vielleicht scho..... Aber lassen wir das. Es geht in dieser Geschichte also um Franzosen. Nicht im Allgemeinen. Eigentlich nur um eine französische Berufsgattung. Die der Kellner. Und um Lyon. Der  Stadt meiner Liebe. Um die geht es auch. Ein bisschen. Und um Schweden. Lezteres aber nur am Rande. Ich war mit Schweden kürzlich in Lyon. Insider wissen, was ich meine. Oder wen. Mit Schweden. Mit Lyon meine ich die zweitgrösste Stadt Frankreichs. Gemäss den Lyonaisen. Oder Lyonern? Aber sind das nicht Würste? Item. Aber fragen sie mal jemanden aus Marseille. Der bläst ihnen dann vielleicht ganz schön die Marseillaise. Die beiden Städte streiten sich nämlich um Rang 2 und 3. Manchmal hat die Eine die Nase vorn, ein anderes mal die Andere. Und das mit den Nasen ist noch lustig. Weil grosse Nasen hat es eigentlich mehr in Lyon. So richtig dicke Zinken. Der von Paul Bocuse zum Beispiel. Kochlehrlinge wissen, von was ich schreibe.
Lyon also. Wunderschöne Stadt. Gefällt mir persönlich besser als Paris. Weil näher, gut eine Stunde ab Genf, nicht so teuer, kulinarisch top und die Stadt des Kinos und der Bücher. Gebrüder Lumière sag ich nur. Und einen Eifelturm und Sacré Coeur hat es auch. Erst noch direkt nebeneinander. Zudem die Leute. Sehr französisch, très chic, dabei aber auch sehr freundlich. Sogar die Kellner. Und das will was heissen. In Frankreich. Erst recht in Paris und in Lyon sowieso. Aber nicht das sie jetzt meinen, Freundlichkeit Standard und garant für alles. Pustekuchen. Diese Freundlichkeit will verdient sein. Hart verdient. Im Schweisse deines Angesichts. Als Gast. Und wie.
Wir verbrachten ein Weekend in der Stadt. Waren viel unterwegs. Zu Fuss. Und hatten Hunger. HUNGER. Und eine Empfehlung. Nicht nur für ein Restaurant, nein, für eine ganze Strasse voller. Und voll war nicht nur Letztere, voll waren auch die Lokale. Wir entschieden uns und versuchten es dennoch. Obwohl Warteschlangen schon vor der Tür. An einer kamen wir vorbei und ins Lokal unserer Wahl. Darin, neben vielen Gästen, eine Hirachie. Und was für eine. Barmann, Oberkellner, Kellner, Hilfskraft und Gast. Und genau in dieser Reihenfolge. Als Gast zuletzt. Zunterst. Aber so etwas von unten aber auch. Von der Hirachie wussten wir zum Zeitpunkt unseres Eintritts noch nichts. Somit ist auch gleich erklärt, warum ich, aus Versehen, ich schwör, Dings, wirklich, die Hilfskraft um zwei Plätze bat. Dabei schielend auf einen Tisch, der gerade frei wurde. Und Hilfskraft, völlig egal, was im Lokal passiert und wer da kommt und nach was auch immer frägt, kopfnickend auf den frei werdenden Tisch zeigend. Ich also wie ein alter Dreimaster unter vollen Segeln auf den Tisch zu steuernd..... Siegesgewiss......das ging aber zügig......um dann kurz und knackig mit der Hirachie bekanntschaft zu machen. Die Hirachie in Person des Oberkellners. Der mich und meinen Elan, tres chiq, abfing wie Kapitän Jack Sparrow auf seiner...Name des Schiffs...... Ich suche einen Platz? Für Zwei? Also mich und Madame? Aber bien sure, natürlisch abe ich eine Plas für sie.....in 20 Minüt. Und uns ganz elegant um den freien Tsch herum nach hinten in die dunkle, abgesperrte Bar bugsierte. Wo schon ein ganzes Batallion an "Sie und Madame" Stunden seit "20 Minüt" wartete. Ich kam nicht umhin die dabei zur Schau getragene Freundlichkeit des Oberkellners zu bewundern. So souverän und dabei so freundlich wurde ich schon lange nicht mehr ausgebremst. Und weil auch wir freundlich blieben und lächelten und nicht reklamierten und keinen weiteren Faupax begingen, bekamen wir nach "20 Minüt" einen Platz. Erst noch einen ganz anständigen. Es wurde ein wunderbarer Abend.
Einen kleine Faupax leistete ich mir aber trotzdem. Und ich weiss jetzt auch, wie man das Lächeln eines französischen Oberkellners aus Lyon zum gefrieren bringt. Erlauben sie sich einmal nach 50 Minuten der "20 Minüt", selbstständig aus der dunklen Bar nach vorne ins Lokal kommend, den Oberkellner um ein Getränk zu bitten........aber so etwas von gefroren aber auch.

Ich liebe Lyon, wirklich, ich schwör....

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Kreis schliesst sich

Eigentlich, ja eigentlich, wäre jetzt Ruedi an der Reihe gewesen. Leser meiner Geschichten erinnern sich vielleicht noch an ihn. Ruedi hat mich mit seinen Ratschlägen und Geschichten eine zeit lang durch mein Leben begleitet. Und auf einmal war er verschwunden. Lange Zeit blieb er unsichtbar. Aber letztens stand er wieder im Tram und lächelte mir zu. Aus einer gewissen Distanz. Aber er war es. Ich bin ganz sicher. Weil, Ruedi hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Vater. Also optisch. Vom Aussehen her. Und mein Vater lebt ja schon lange nicht mehr. Darum fällt er mir auch immer wieder auf. Spannend ist auch, dass ich ihm in letzter Zeit auf eine gewisse Art immer wieder mal begegne. An ihn erinnert werde. Das hat wohl mit meinem Alter zu tun. Sogar im Beruf passiert mir das. Wie letzthin in Bern. An einer grossen Konferenz unserer Branche. Dabei hatte mein Vater doch so gar nichts mit IT am Hut. Die gab es so seinerzeit auch kaum. Eine Eigenschaft von ihm ist mir noch besonders im Gedä…

Cosa Nostra

Es ist eigentlich keine grosse Sache. Knapp 7 Stunden. In Kilometern absolut überschaubar. Das findet auch der Schalterbeamte der SBB, der uns die Ticket ausstellt. Das ginge ruckzuck. Quasi eine Verbindung. Nur winzige zweimal umsteigen. In Milano und Genova. Retour das Selbe. Nur umgekehrt. Natürlich. Er könne uns da eine ausgezeichnete Verbindung offerieren. Kürzeste Aufenthalte in Milano und  Genova. 20 Minuten maximal. Da, spätestens da hätten sämtliche Alarmglocken schrillen müssen. Weil, Pustekuchen. 20 Minuten. Hin ging es ja noch. Weil SBB. Bis Milano. Sprich Verspätung minimal. 15 Minuten oder so. Wir natürlich erstens ganz hinten im Zug. Und auf Gleis 3. Der Zug nach Genova? Gleis 20. Umsteigezeit? 5 Minuten. In Milano. Kennen sie den Bahnhof Milano Centrale? Da passt Zürich HB dreimal rein. Mindestens. Und wir natürlich nicht die Einzigen. Die umsteigen wollten und die sich im Bahnhof aufhielten. Zumeist Italiener. Jetzt! Der Italiener an und für sich relativ relaxed. Als …

Kritische Grösse

Ich bin dann mal weg. In den Ferien. Nicht lange. Nur ein paar Tage. Mit meinen zwei jüngeren Söhnen. Noch einmal den Sommer etwas verlängern. Wobei der sich ja selber. Immer wieder. Verlängert. Letzte Woche hiess es noch Schnee. Also in den Bergen. Nicht in Zürich. Zwar...

Der Zeitpunkt unserer Ferien nicht von ungefähr. Herbstferien. In der Schule. Der Jüngste noch schulpflichtig. Und im Geschäft auch etwas ruhiger. Aber? Es ist nicht der einzige Grund. Ab Sonntag kehrt in der Stadt generell wieder etwas Ruhe ein. Weil Film Festival am Ende. Zu! Also zu Ende. Nicht dass noch Gerüchte entstehen.

Gerüchte gäbe es ja zuhauf. Auch über Schnee in Zürich. Die letzten Tage. Man behauptet. Die erhöhte Konzentration von Schnee, sprich Kokain, sei an Wochenenden sogar im Zürcher Abwasser nachweisbar. An kulturellen Anlässen? Wie das Film Festival? Und anderen? Sowieso. Sagt man.

Überhaupt. Das ZFF. Polarisiert. Wie der Hafenkran. Die Einen finden's toll, die Anderen überflüssig. Die, die&…