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Weihnachtszeit

Früher war alles anders, ich schwör. Ein Jahr hatte noch vier Jahreszeiten, Stadtstreicher waren noch Stadtstreicher, das Tessin jenseits des Gotthards und Sex-Shops waren noch Sex-Shops. Heute ist ja alles ein bisschen Dings. Früher auch Dings. Heute aber anders. Fernsehen zum Beispiel. Ja, ich gestehe. Ich schaue. Ab und zu. Eigentlich schaue ich ja nicht, aber wenn ich allein zuhause bin, läuft manchesmal der TV im Hintergrund. Hiintergrundgeräusche, quasi. War wohl zu lange italiensch verheiratet. Aber lassen wir das. Jedenfalls wurde früher das Programm hin und wieder von Werbepausen unterbrochen. Heute? Umgekehrt. Die Werbung ab und zu durch Schnipsel irgendwelcher Trash-Shows. Oder gelegentlich durch einen Spielfilm. Oder gleich alles zusammen. Nennt man dann Product-Placement. Und nicht das sie denken, schalt ich halt einfach um wenn Werbung. Nein! Die haben sich abgesprochen. Umschalten ja, aber dann auch Werbung. Und bis Sie durch alle Kanäle gezappt haben, sehen Sie auf dem Ursprungskanal noch 10 Sekunden Ihres Film's und dann?? Werbung. Fernbedienung habe ich keine mehr. Die flog irgendwann mal gegen eine Wand und löste sich auf. In ihre Bestandteile. Oder schauen Sie mal durch's Fenster. War da nicht mal Frühling, Sommer, Herbst und Winter? Heute nur noch...Wetter. Unterbrochen von ab und zu Regen oder etwas Schnee ode Sonne. Sie können am Morgen bei Wind und Wetter mit einer festen Jacke und Regenschirm das Haus verlassen, und drei Stunden später sitzen Sie in einem Café auf der Terrasse in der Sonne. Ohne Jacke. Den Regenschirm haben Sie schon lange verloren. Alles etwas wischiwaschi. Der Kaffee im Café sowieso. Nennt sich jetzt nicht mehr Kaffee, sondern Lebensgefühl. Sagt die Werbung. Das Café sagt dazu Latte. Ich sag dazu lieber nix. Früher mussten Sie im Winter ins Tessin, um in Ascona an der Promenade im Café an der Sonne sitzen zu können. Heute regnet's dort. Tessin ist mittlerweile überall. Wettermässig. Auch hier in Zürich.
Oder die Stadtstreicher. Erinnern Sie sich noch? Der im Tram, der beständig mit sich selber und Luzifer sprach? Oder Jener, welcher auch im nicht mehr vorhandenen Winter mit nacktem Oberkörper auf Rollerblades durch die Strassen düste? Wo ist der hin? Die Alkis vom Bellevue? Wo? Der moderne Stadtstreicher von heute führt jetzt. Leute. Durch die Stadt. Stadtführer. Auch Ruedi. Meine Güte..wo führt das und selbiger uns hin? Letztens spazierte ich mit meinem Alter Ego wieder einal am See entlang. Und danach durch's Seefeld. An einem Haus vorbei. Natürlich an mehreren Häusern, aber auch an einem, in dem sich Jahr und Tag ein Sex-Shop befand. Ich erinnere mich noch an interessante Gespräche und Diskussionen mit dessen Inhaber zwischen Tür und Angel. Fragen Sie lieber nicht. Als ich unlängst daran vorbei lief, schaute mich eine Dame durh's Fenster an. Aber keine Nackte. Nicht das Sie jetzt denken. Ich schaute zurück. Etwas komisch vielleicht, weil in Gedanken immer noch Sex-Shop. Darauf hin blickte Dame komisch zurück. Bis ich raffte...nicht mehr Sex-Shop. Handtaschen. Und Gürtel. Und Duftkerzen. Gespräch zwischen Tür und Angel aber dennoch. Über Vergangenheit. Und Neubeginn. Und Anfangs noch viele Männer, die auf einmal im Laden standen. Und betretene Gesichter machten. Weil, was soll ich mit einer Handtasche, wo ich doch einen Porno wollte. Oder Gleitcreme. Die kauften dann halt eine Duftkerze. Nicht wegen des Duftes. Nein, wegen ihres Gesichtes, welches sie wahren wollten...Zu Beginn der Umsatz an Duftkerzen höhe als an Handtaschen.
Ich könnte jetzt noch länger. Aber ich will Sie nicht langweilen. Nur Eines noch. Etwas hat Beständigkeit. Das widerfuhr mir gestern beim Mittagessen. In einer meiner Stammbeizen. Seit 24 Jahren. Jedes Jahr zur gleichen Zeit. Und obwohl so sicher wie das Amen in der Kirche, dennoch immer wieder Überraschung. Weihnachten naht. Und damit Weihnachtsdeko. Nicht immer die gleiche, aber immer wieder psychedelisch.

Ich bin froh, gibt es noch Beständigkeit.......noch.



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Wasser bis zum Hals

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Lange Rede kurzer Sinn

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Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…