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Fremdgehen

Dings...Dieses Weekend habe ich es wieder einmal getan. Ich bin Fremdgegangen. Mit voller Absicht und im Bewusstsein, was ich da tue. Und wissen Sie was? Runzeln Sie ruhig die Stirn, weil, ich habe es genossen. Respektive ich geniesse immer noch. Sollten Sie übrigens auch mal wieder tun. Fremdgehen. Raus aus den eigenen vier Wänden und ab in eine andere Stadt. Diese Tage verbringe ich in Genf. Weg von Böög und alten Männern in Strumpfhosen und Böllern und Pfeifen und Trommlern in den Gassen.
Zugegeben. Ursächlich ist es beruflicher Natur, was mich nach Genf verschlagen hat. Aber zwischen all der Berufung bleibt genug Zeit, die Stadt zu erkunden. Ist ja nicht das erste mal, dass ich hier ein paar Tage verbringe. Und ich mag diese Stadt. Sie hat dieses Flair, das Zürich gerne hätte. Nämlich etwas Weltstädtisches. Ich kann Ihnen nicht genau sagen, was es ist. Weil am See liegt Zürich auch. Es hat sogar eine eigene Fontäne, wenn auch etwas kümmerlicher, zugegeben. Ich meine das Spritzding in der Enge, nicht das Neue auf unserem neuen Platz. Auch die Häuser sehen ähnlich aus und sind in etwa gleich hoch. Also was ist es? Die Sprache vielleicht? Oder die Menschen? Oder die Nähe zu Frankreich?
Item. Lustige Geschichten gibt es auch hier. Obwohl ich der Sprache nicht wirklich mächtig bin, geht es, wenn ich genau hinhöre. Mittlerweile habe ich so meine Orte, an denen ich besonders gerne bin. Dazu gehört auch diese kleine Bar in der Altstadt. Direkt an einem grösseren Platz, sprich Place, gelegen. Dort war ich auch heute. Die Seele baumeln lassen. Leute beobachten, ein bisschen knipsen. Und natürlich zuhören. Wie immer, zufällig, ich schwör.
Dieses mal waren es zwei ältere Herren. Dem Dialekt nach nicht ursächlich aus Genf. Eher etwas weiter östlich. Polen. Russland, oder so. Vielleicht auch Ungarn. Egal. auf jeden Fall laut. Sehr laut. Ich musste mich wirklich nicht anstrengen, zuzuhören. Weil der Eine der Beiden röhrte überdeutlich in sein Handy. Ich war schon versucht, darauf hinzuweisen, dass es genügt in Zimmerlautstärke zu sprechen, die Gegenseite verstehe einen nämlich durch die Kombination Mikrofon und Lautsprecher. Und nicht durch das getragene Wort. Aber so kam ich immerhin zu meiner Geschichte.
Es ging bei dem Herren auf der anderen Seite wohl um einen Verwandten. Der weilte zum ersten mal in der Stadt und man versuchte ihn nun durch gezielte Anweisungen an den Standort der beiden Herren in dieser Bar zu lotsen. Was aber offensichtlich nicht so ganz funktionierte. Und in gegenseitigen Schuldzuweisungen gipfelte. In Form von der Eine sei zu blöd, den Anweisungen zu folgen, während der Andere zu doof sei, entsprechende richtig zu geben:

-> Siehst Du den Laden auf der linken Seite?
-> Ja, natürlich. Denkst Du ich bin doof?
-> Darüber reden wir später. Gut, dann geh jetzt rechts die kleine Gasse den Berg hoch
-> Da hat es keine Gasse
-> Bist Du blind? Wenn es links den Laden hat, dann hat es rechts auch die Gasse
-> Da hat es keine Gasse! Du bist zu doof mir das zu erklären
-> Ich bin nicht doof, Du alter Knacker, setz mal Deine Brille auf
-> Du sagst mir alter Knacker? Ich habe eine jüngere Freundin als Du
-> Vielleicht, aber sehen tust Du trotzdem nichts. Sie vermutlich auch nicht, sonst wäre sie nicht mit Dir...
-> Ich geh jetzt noch einmal eine Strasse zurück......
-> Ok. Wir fangen also noch einmal bei der Avenue..... an.
-> Avenue? Die Strassen hier heissen aber nicht Avenue!
->????? Was meinst Du mit die Strassen heissen nicht Avenue? Natürlich heissen die Avenue..
-> Aber wenn ich es Dir sage...die fangen alle mit Via an.....
-> ????? Du, sag mal, in welcher Stadt bist Du eigentlich??
-> Na, in Genua natürlich, wie Du gesagt hat....
-> Ich habe Geneva gesagt. G E N E V A NICHT Genua!!

Die Bar war ziemlich voll besetzt. Und auf einmal war es verdächtig ruhig. Weil, zugehört hat natürlich niemand, verstanden aber jeder. Und jetzt einfach nichts anmerken lassen.

Übrigens. Auch Genua ist eine Reise wert. Nebenbei bemerkt ;-)



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Wasser bis zum Hals

Eigentlich, eigentlich habe ich kein Problem mit Alkohol. Wirklich nicht. Ich schwör. Auch nicht ohne, ihr Scherzkekse. Gelegentlich mal ein Glas Rotwein. Hie und da. Auch mal einen Grappa nach dem Essen. Und wenn ich dann mal in eine Bar gehe, dann auch einen Drink. Oder zwei. oder drei. Nicht mehr. Mich hat noch niemand nach Hause tragen müssen. Rollen schon. Aber tragen? Nein. Da kenne ich andere. Ohne jetzt hier Namen zu nennen.
Ich bin auch eher, wenn, dann der Typ stiller Trinker. Weil. In einer Beiz aufgewachsen. Und zuviel erlebt, was zuviel Alkohol aus Menschen machen kann. Insbesondere auf der verbalen Ebene. Würde auch. Je mehr Alkohol, desto weniger. Das ist wie bei Professor Otto. Je schiefer das Brett, desto schneller das "Zisch" und umso lauter der Bums. Oder so. Wobei die meisten mit zuviel, dann ja kein Bums mehr. Auch wenn sie gerne würden.
Nur ganz selten, wenn wirklich alle Umstände zusammen kommen. Dann, dann kann es auch mir passieren. Dass meine Stern…

Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…