Direkt zum Hauptbereich

Die Kängurumethode

Meine lieben Seniorinnen und Senioren. Wenn Sie denn über 70 Lenze zählen und im ÖV unterwegs sind. ÖV = öffentlicher Verkehr = Tram (Trämli in Basel), Bus oder Zug. Also eigentlich nur Tram und Bus. Zug geht so. Ich verstehe sie ja, liebe Altersgruppe. Wirklich. Ich schwör. Wenn ich dann mal soweit bin, sprengt es mich sehr wahrscheinlich auch schon Morgens um 05:30 aus dem Bett. Weil ich von den Schnarchorgien meines Bettnachbarn flüchte. Oder nicht schlafen konnte, weil die Party am Abend zuvor etwas ausschweifend und ich den Alkohol nicht mehr so gut vertrage. Oder die Partygäste. Dings halt. Oder vielleicht einfach auch nur, weil ich meine Umwelt, sprich die darin rumwuselnden Mitbürger ärgern möchte. Aus reiner Bosheit. Oder mir ist langweilig. Schlicht und einfach langweilig.

Aber, item. Ich versteh's. Ist auch Ihr gutes Recht. Nicht das Sie mich falsch verstehen. Ich bin absolut gegen die Zoohaltung von Seniorinnen und Senioren. Auch gegen Alters-Asyl-Kasernierung. Es soll ja sogar Menschen geben, die stellen ihre Oma tagsüber in die Schlange an einer Kasse eines Grossverteilers. Und holen sie dann Abends wieder ab. Kommt billiger als eine schwarzarbeitende Alterspflegerin aus, sagen wir mal, dem östlichen Teil Europas und darüber hinaus. Woher ich das weiss? Wenn ich einkaufe, dann stehe ich IMMER hinter solchen Damen und Herren. Solche, die ihre CHF 4.65 in 5ern, 10ern und 20-Räpplern aus dem Portemonnaie grübeln. Und dabei oder danach noch ihre komplette Lebensgeschichte erzählen. Darum hat es fremdsprachige Kassiererinnen an den Kassen. Ich schwör. Weil die verstehen's nicht. Rollen dann nur mit den Augen. Und seufzen. Stoisch. Während Hiesige schon in der Klapse wären.

Wo war ich? Ach ja, genau. Ich verstehe es.

Was ich aber ganz und gar nicht verstehe, ist das, was ich tagtäglich im Tram oder Bus erlebe. Gäbe es nur noch ältere Menschen auf der Welt, oder zumindest in meiner Lieblingsstadt, dann bräuchten auch zwei Kilometer lange Trams oder Busse nur noch zwei Türen. Eine ganz vorne und eine ganz hinten. Weil, diese Damen und Herren steigen IMMER ganz vorne oder ganz hinten ein. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Und jetzt lustig. Ganz hinten einsteigen, dann aber im Fahrzeug nach ganz vorne laufen. Auch wenn es unterwegs nichts als freie Sitzplätze hat. Auch Einzelplätze. Nix da. Hinten rein und vor. Oder umgekehrt. Vorne rein und dann ganz nach hinten. Auch schon erlebt? Sehen Sie, ich wusste es!

Jetzt weiss ich nicht, wie es dazumal mit der Bildung in den Schulen aussah. Aber selbst mir ist das Gesetz von Masse und Bewegung und die Kräfte die da walten, ein Begriff. Zumindest habe ich schon mal davon gehört. Oder war's gelesen? Unwichtig. Jedenfalls, wenn so ein Gerät anfährt, dann gerät so einiges in Bewegung. Insbesondere, wenn es anfährt und gleich darauf wieder bremst. So wie heute. Ein älterer Herr. Mit Krücken. Tram. Ganz hinten. Da, wo ich stand. Und stöckelte ganz nach vorn. Wollte er zumindest. Tram fuhr an, er hielt sich tapfer. Fest. An seinen Krücken. NICHT an einer Haltestange oder so. Und auf einmal, das Tram musste bremsen. Etwas rüde, zugegeben. Das Tram hielt an. Der ältere Herr, der aufgrund Masse und Bewegung gewissen Kräften unterlag, nicht. Der war auf einmal ganz schnell ganz vorn. Unter Zuhilfenahme seiner Krücken. Wie ein Stabhochspringer. Und klebte dann an der Scheibe der Tramchauffeurkabine.

Er hat sich nichts getan. Wirklich nicht. Darum erlaubte ich mir ein leichtes Schmunzeln. Ein leichtes nur!!!! Wirklich, ich schwör! 

ROFL




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Kreis schliesst sich

Eigentlich, ja eigentlich, wäre jetzt Ruedi an der Reihe gewesen. Leser meiner Geschichten erinnern sich vielleicht noch an ihn. Ruedi hat mich mit seinen Ratschlägen und Geschichten eine zeit lang durch mein Leben begleitet. Und auf einmal war er verschwunden. Lange Zeit blieb er unsichtbar. Aber letztens stand er wieder im Tram und lächelte mir zu. Aus einer gewissen Distanz. Aber er war es. Ich bin ganz sicher. Weil, Ruedi hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Vater. Also optisch. Vom Aussehen her. Und mein Vater lebt ja schon lange nicht mehr. Darum fällt er mir auch immer wieder auf. Spannend ist auch, dass ich ihm in letzter Zeit auf eine gewisse Art immer wieder mal begegne. An ihn erinnert werde. Das hat wohl mit meinem Alter zu tun. Sogar im Beruf passiert mir das. Wie letzthin in Bern. An einer grossen Konferenz unserer Branche. Dabei hatte mein Vater doch so gar nichts mit IT am Hut. Die gab es so seinerzeit auch kaum. Eine Eigenschaft von ihm ist mir noch besonders im Gedä…

Cosa Nostra

Es ist eigentlich keine grosse Sache. Knapp 7 Stunden. In Kilometern absolut überschaubar. Das findet auch der Schalterbeamte der SBB, der uns die Ticket ausstellt. Das ginge ruckzuck. Quasi eine Verbindung. Nur winzige zweimal umsteigen. In Milano und Genova. Retour das Selbe. Nur umgekehrt. Natürlich. Er könne uns da eine ausgezeichnete Verbindung offerieren. Kürzeste Aufenthalte in Milano und  Genova. 20 Minuten maximal. Da, spätestens da hätten sämtliche Alarmglocken schrillen müssen. Weil, Pustekuchen. 20 Minuten. Hin ging es ja noch. Weil SBB. Bis Milano. Sprich Verspätung minimal. 15 Minuten oder so. Wir natürlich erstens ganz hinten im Zug. Und auf Gleis 3. Der Zug nach Genova? Gleis 20. Umsteigezeit? 5 Minuten. In Milano. Kennen sie den Bahnhof Milano Centrale? Da passt Zürich HB dreimal rein. Mindestens. Und wir natürlich nicht die Einzigen. Die umsteigen wollten und die sich im Bahnhof aufhielten. Zumeist Italiener. Jetzt! Der Italiener an und für sich relativ relaxed. Als …

Kritische Grösse

Ich bin dann mal weg. In den Ferien. Nicht lange. Nur ein paar Tage. Mit meinen zwei jüngeren Söhnen. Noch einmal den Sommer etwas verlängern. Wobei der sich ja selber. Immer wieder. Verlängert. Letzte Woche hiess es noch Schnee. Also in den Bergen. Nicht in Zürich. Zwar...

Der Zeitpunkt unserer Ferien nicht von ungefähr. Herbstferien. In der Schule. Der Jüngste noch schulpflichtig. Und im Geschäft auch etwas ruhiger. Aber? Es ist nicht der einzige Grund. Ab Sonntag kehrt in der Stadt generell wieder etwas Ruhe ein. Weil Film Festival am Ende. Zu! Also zu Ende. Nicht dass noch Gerüchte entstehen.

Gerüchte gäbe es ja zuhauf. Auch über Schnee in Zürich. Die letzten Tage. Man behauptet. Die erhöhte Konzentration von Schnee, sprich Kokain, sei an Wochenenden sogar im Zürcher Abwasser nachweisbar. An kulturellen Anlässen? Wie das Film Festival? Und anderen? Sowieso. Sagt man.

Überhaupt. Das ZFF. Polarisiert. Wie der Hafenkran. Die Einen finden's toll, die Anderen überflüssig. Die, die&…