Von Generälen und Fusssoldaten

Ich bin ja ein offener Mensch. Grundsätzlich. Dem und den Neuen gegenüber aufgeschlossen. Finde es einfach ungemein spannend. Fast immer. Also meistens. Weil ab und zu auch ein bisschen Dings, aber dann lege ich mich ins Bett, in meines! Allein! Mit einem guten Buch, und warte, bis der Anfall wieder vorbei ist. Was in der Regel relativ schnell geht. Darum liegen um mein Bett herum so viele angelesene Bücher ;-) Was manchmal zur Konfusion führt. Meiner. Weil ich den Mörder in dem einen Buch, mit dem Mordfall im Anderen in Verbindung zu bringen suche. Sollten Sie auch mal versuchen. Ich bin ja mittlerweile fast fest der Überzeugung die Autoren kennen sich alle und sprechen sich untereinander ab. Und so ist es sehr oft problemlos möglich über verschiedenen Bücher und Handlungen einen roten Faden zu spannen. Wo war ich?

Stimmt. Offener Mensch. Und an Menschen grundsätzlich interessiert. Auch an den Anderen. Den Speziellen. Und wo kann man Menschen am besten studieren? Nein, nicht in einem Cafe. Gut, da auch, natürlich. Aber. Im Cafe alles etwas Theater und Show. Sprich, böses Erwachen, findet man dann doch Jemand interessant und entschliesst sich, anzusprechen, und dann Dings. Erfolgsquote ähnlich hoch wie im Lotto. Ich schwör.

Nein, die wirklich interessanten Leute beobachten Sie Sonntags am See. Beim Boule oder Pétanque spielen. Ich habe ja bis heute noch nicht den Unterschied begriffen. Nicht zwischen den Spielern. Sondern den beiden Varianten. Das Eine wird wohl etwas offizieller ausgetragen und das Andere mehr in der Freizeit. Besonders von den Franzosen. Zum Teil auch mit Kunstoffkugeln. Wo es beim Anderen nur Metallkugeln zu sein haben. Und nicht ganz so ernst genommen. Weil, es geht ja um den Spass. Und das drumherum. Mal ein Schluck vom guten Roten und etwas Palaver und dann wieder eine Kugel setzen und so......anders in Zürich am See am Sonntagmorgen. Da wird es sehr ernst genommen. Und da hört der Spass auf. Weil es geht um ein Spiel und beim spielen gibt es Sieger und Verlierer und daher hat Spass keinen Platz. So ist das halt hier in der Stadt. Platz hatten aber eine ältere Dame und ich. Auf einer der Spielfläche zugewandten Bank. Und nach dem obligaten, "(Ich)Tschuldigung, ist's erlaubt.., (Ältere Dame)aber sicher, platzieren sie sich nur", und ein paar Sprüchen über das Wetter und die Berge und den See und wüsset sie, ich bi dä scho über siebzgi und können sie mir bitte mal das erklären, was die hier spielen, wendet sich unserer Aufmerksamkeit ganz dem Spiel und vor allem den Spielern zu. Weil Spiel schnell erklärt. Gibt ja keine Abseitsregel und kein Foul und kein Elfmeter. Aber es gibt einen General. Der steht über Allem und Allen. Stolz, hoch aufgerichtet, Kreuz durchgedrückt und sich über reine Präsenz ins Spiel bringend. Er dirigiert auch nicht mit Worten, sondern nur mit kurzen, kleinen, kaum sichtbaren Zeichen. Und seine Fusssoldaten folgen. Und was so ein rechter General ist, der duldet keine Mätzchen und keinen Spass. Weil, dass hier ein Spiel und darum ernst.

Und wie es verschiedene Charaktere gibt, so gibt es auch verschiedenen Wurftechniken. Sie unterscheiden sich erst im zweiten Teil. Erster Teil ist stehen, in die Knie gehen und mit dem Wurfarm vor- und zurückwedeln. Zweiter Teil ist spannend. Es gibt die Roller und es gibt die Werfer. Lustig sind die Werfer. Statt nach vorne, werfen sie die Kugel erst fast Senkrecht nach oben. Um quasi von oben her kommend zu platzieren.

Die ältere Dame und ich erklärten uns gegenseitig, was das Zeug hielt. Und, zugegebenerweise, nicht immer ganz korrekt und in dem des Ernst des Spieles angemessender Laustärke und Würde. Und auf einmal stand er vor uns. Der General. Er müsse jetzt aber schon mal was sagen. Sprich, wir sollten gefälligst  nicht jeden Wurf so laut und vernehmlich Kommentieren. Weil, das störe ihn in seiner Konzentration. Wir dürfen ja schon, dann aber bitte leise. Sprach's, drehte sich um und lief.....in die Kugel eines "Werfers". Die landete zwar nicht auf dem Kopf, wohl aber dem Fuss des Generals. Worauf er auf einmal ziemlich laut wurde.....

Die Dame und ich fanden, wir hätten genug gesehen und gingen einen Kaffee trinken...


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