Direkt zum Hauptbereich

Eine Lebensgeschichte in 4 Akten

1. Akt

Ein warmer Sommermorgen im August 1962. Irgendetwas stimmte nicht. Gefühlt habe ich es zwar schon seit einiger Zeit. Meine Frist in diesem Hotel ist abgelaufen. Resp. nähert sich dem Ende. Anfangs noch kategorische Verweigerung schlich sich langsam Akzeptanz ein. Und auch eine gewisse Neugier. Auf das Leben danach. Damals wusste ich noch nicht, wieviele "Leben danach" mich noch treffen würden. Aber jetzt? Dings. Freude. Neugier. Spannung.

Dennoch. Irgendetwas lief hier falsch. Also vorsichtshalber noch einmal Verweigerung. Mit aller Kraft. Quasi querlegen. Zeit zum Nachdenken. Über das, was hier nicht stimmte, und wie ich mir mein Leben danach vorstelle. Ich würde liebende Eltern haben, in Geborgenheit aufwachsen. Auf die Uni gehen. Eine glückliche Familie gründen. Und Astronaut werden. Oder blendend aussehender Chefarzt einer Schönheitsklink. Oder mindestens Bill Gates. Ja, Bill Gates würde passen. Ich bin also ein Gates. Klasse. Na dann kann ich ja loslassen und mich über die Schnur an meinem Bauch aus dieser Höhle abseilen. Und auf einmal kam ich drauf. Es waren die Stimmen. Sie klangen auf einmal anders. Schon noch Deutsch. Quasi Muttersprache. Aber anders. Damals wusste ich noch nicht, dass ich auf einmal einen anderen Dialekt im Fruchtwasser habe. Ich hörte ja noch übers Fruchtwasser. Und mir wurden zwei Dinge schlagartig klar. Bill Gates is nich. Ich spreche Deutsch. Und es hat mich vom hohen Norden in den Süden Deutschlands verschlagen. Oh. Mein. Gott. Ich bin doch Preusse???!!! Was soll ich in drei Gottes Namen in Bayern? Hiilfeeeeeeee, ich wurde entführt.

Und auf einmal war es hell. Also zuerst war es so wie in der Badewanne, wenn man des Stöpsel zieht. Es rauscht, gurgelt, es entsteht ein Strudel und schlurp, zog es mich in den Gulli. Aber statt dunkel, wurde es hell. Es war 06:00 Uhr Morgens. Ein wunderschöner beginnender Sommertag in Oberbayern. Aber irgendwas stimmte wieder nicht. Die Welt stand Kopf. Natürlich auch wegen meiner Geburt. Aber sie stand wirklich Kopf. Und ich konnte fliegen. Mit dem Kopf nach unten. Und ich war....nackt. Oh mein Gott. Und um mich rum lauter Frauen. Vor mir lag eine, die sah etwas mitgenommen aus und schrie einen Mann an, der neben ihr am Bett stand. So sah es zumindest aus. Und dann bekam ich einen Schlag zwischen die Schultern. Eine Stimme sagte:

Ein Prachtskerl! Denn will ich mal sehen, wenn er erwachsen ist. Das wird ein Baum.....

Hallo Welt, da bin ich......


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wasser bis zum Hals

Eigentlich, eigentlich habe ich kein Problem mit Alkohol. Wirklich nicht. Ich schwör. Auch nicht ohne, ihr Scherzkekse. Gelegentlich mal ein Glas Rotwein. Hie und da. Auch mal einen Grappa nach dem Essen. Und wenn ich dann mal in eine Bar gehe, dann auch einen Drink. Oder zwei. oder drei. Nicht mehr. Mich hat noch niemand nach Hause tragen müssen. Rollen schon. Aber tragen? Nein. Da kenne ich andere. Ohne jetzt hier Namen zu nennen.
Ich bin auch eher, wenn, dann der Typ stiller Trinker. Weil. In einer Beiz aufgewachsen. Und zuviel erlebt, was zuviel Alkohol aus Menschen machen kann. Insbesondere auf der verbalen Ebene. Würde auch. Je mehr Alkohol, desto weniger. Das ist wie bei Professor Otto. Je schiefer das Brett, desto schneller das "Zisch" und umso lauter der Bums. Oder so. Wobei die meisten mit zuviel, dann ja kein Bums mehr. Auch wenn sie gerne würden.
Nur ganz selten, wenn wirklich alle Umstände zusammen kommen. Dann, dann kann es auch mir passieren. Dass meine Stern…

Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens…