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Der Preis der vollständigen Emanzipation des Individiums

Aus gegebenem Anlass heute mal ein etwas  Thema. Ich weiss ja nicht, ob es ihnen auch so geht. Aber in letzter Zeit fallen mir gewisse Verhaltensweisen unter unserer Spezies auf. Es sind kleine, aber entscheidende Dinge im Alltag.

Sind sie in letzter Zeit einmal Zug gefahren? Zu einer Zeit, in der nicht nur sie und ein paar versprengte Rentner unterwegs sind`? Der Zug fährt ein, die Türen öffnen sich und noch ehe alle Reisenden ausgestiegen sind, versuchen die Ersten schon einzusteigen. Und sie versuchens nicht nur, nein, sie tun es. Mit Nachdruck. Und zicken erst noch die Aussteigenden an, diese sollen gefälligst platz machen. Kaum drin, belegt man ganz selbstverständlich ein Viererabteil. Für sich allein. Die nachfolgende, fünfköpfige Familie soll sich doch bitte auf drei, vier Abteile aufteilen.

Oder im ÖV. Mich wundert es, dass es überhaupt noch Zweiersitze gibt. Weil, wenn immer möglich, dann bitte ein Einersitz. Und wenn Zweier, dann rechts. Am Gang. Es gilt dann schon als Akt der Höflichkeit, wenn man sich wirklich nicht mehr taub stellen kann, weil die Frage, ob hier noch frei sei, dem Rechtssitzer direkt ins linke Nasenloch gehustet wurde, dieser nicht etwa zur Seite rutscht, nein, wenn es gut kommt, aufsteht und den Suchenden sich nach innen quetschen lässt. In der Regel wird aber garnicht mehr aufgestanden, sondern lediglich die Knie um 2,5 cm zur Seite gedreht. Unter genervtem Seufzen. Natürlich.

Und glauben sie nicht, dies verhält sich nur in den Städten so. Kürzlich beim Schlitteln. Im Zug nach oben. Die Wagen mit zwei Sitzreihen entlang der Wände ausgestattet. Auf denen sich die Ersten schön locker aufteilen. Mit genug Platz dazwischen für die "beschwerlichen" 10 Minuten Zugsfahrt. In der Mitte stehende Frauen und Kinder. Und auf die Frage einer solch stehenden Frau, ob man nicht etwas zusammenrücken könne, damit es Platz für ein paar mehr habe? Unflätige Anwürfe.

Dies sind nur drei Beispiele von vielen, die man vielleicht auch nicht zu sehr überbewerten sollte, aber sie zeigen, zumindest mir, eine Tendenz, die mich etwas beunruhigt. Ein Freund, den ich kürzlich traf, wertet dies als "den Preis der vollständigen Emanzipation des Individiums", den wir leider leider nur allzu gern bereit sind zu zahlen. Ich stimme ihm zu und finde, es führt zu einer gefährlichen Leichtfertigkeit des Seins. Sie schlägt sich nieder im Alltag. Und im Privaten. Im Umgang untereinander. Man stellt sich, als Individium, über alles. Die Auswirkungen sind bereits zu sehen. Dies macht mir, ehrlich gesagt, ein bisschen Angst. Sollten wir nicht Vorbild sein? Werte vorleben? Unseren Kindern gegenüber? Zeigen, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen? Sich im Sinn der Sache auch mal etwas zurückzunehmen? Wo führt das hin? Beunruhigt sie das nicht auch?

Aber vermutlich sehe nur ich das so. Oder..?



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