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Berlin, Mitte

> Haben Sie Berliner?
> Jede Menge, junger Mann. Ca. 3 Millionen. Wat sie meenen is Pfannkuchen
> Dann hätte ich gerne zwei Berliner. Von jeder Sorte einen! ;-)

Das Erste was einem aufällt? Berlin ist anders. Anders als in den Vorstellungen. Besser. Lebendiger. Es fährt einen hohen Puls. Es ist dreckig, versifft, grau, faszinierend, bunt, spannend, herausfordernd, auf Achse. Und, Berlin ist, zu mir zumindest, freundlich. Ausgesprochen. Wo man ihnen doch nachsagt, sie seien eher harsch und mürrisch? Ich durfte eine Art Herzlichkeit erleben wie es so schon lange nicht mehr ganz der Fall war. Von wildfremden Menschen. Und von Annie und ihrem Sohn, von Corinna und ihrer Tochter, von Wolf und von vielen anderen. Ich durfte Berlin erleben, als Gast von Freunden, in einem Hotel und als Couchsurfer. Ich hatte witzige, tiefsinnige und spannende Gespräche. Mit türkischen Lederwarenhändlern, syrischen Türstehern, Schuhverkäuferinnen an der Friedrich Strasse, zuhause bei Hebammen und Wurstverkäufern an der Ecke. Sie alle erzählten mir aus ihrem Leben und hörten mir zu meinem zu. Und sie zeigten mir ihr Berlin. Ein Berlin, das so vielfältig ist, wie der Belag auf einer Pizza Frutti di Mare und doch so einzigartig.

Klar, Berlin atmet Geschichte. Eine Geschichte, die viel weitergeht, als nur auf die jüngste Vergangenheit. Und es verdient, dass man sich dieser Geschichte öffnet. Zunächst einmal gibt es "das Berlin" so nicht. Berlin ist Mitte, Prenzlauer Berg, Charlottenburg, Friedrichshain, Kreuzberg, Dahlem, Wilmersdorf, Schöneberg und wie sie alle heissen. Jedes für sich ein Mikrokosmos. Jedes auf seine Art einzigartig. Mit ihren Menschen, Geschäften, Strassen und Plätzen. Und alle Zusammen machen Berlin erst aus. Und Berlin ist Sand. Eine Stadt, viele Städte, auf Sand gebaut. Eine riesige Sandkiste. Wüsste man es nicht, man wähnte sich in der Toskana. Am Meer. Die gleiche Art Sand. Auf den Strassen und Wegen.

Berlin ist auch Baustelle. Eine. Einzige. Baustelle. Gigantische Baustelle. Hier werden Schlösser gebaut. Und nicht nur Luftschlösser. Und U-Bahnen. Und Plätze. Häuser und Strassen sowieso. Und viele Tausend bauen an ihrer persönlichen Zukunft. Das spürt man. Vielleicht nicht an jeder Ecke. Manchmal auch sehr im Verborgenen. Aber es ist da. Unterschwellig. Überall.

Ich habe in Berlin Freunde besucht und neue Freunde gefunden. Ich werde Berlin verlassen, schon bald, aber ich werde wiederkommen. So sicher wie das Amen in der Kirche.

Berlin ist noch lange nicht zu Ende entdeckt. Ich hab noch einen Koffer in Berlin.


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