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Vom Steher zum Renner

Leser dieses Blogs erinnern sich an die Story über Steher oder Geher. Und wissen, dass ich mich selber eher zu Ersteren zähle. Aus Prinzip. Und auch sonst. Gestern mutierte ich aber tatsächlich zum Geher. Eigentlich mehr zum Renner. Und das Alles nur wegen eines kleinen Lapsus.


Wie immer ETWAS zu früh unterwegs, sah ich, 50 Meter vor erreichen der Tramhaltestelle das Tram einfahren. Rennen oder Haltung bewahren und normal weiterlaufen und das nächste Tram nehmen? Klar, letzteres natürlich. In meinen Augen gibt es nichts würdeloseres als rennende Menschen. Beiderlei Geschlechts. Also im Berufsalltag, in Verbindung mit Business Outfits. Doch! Es gibt noch Schlimmeres. Wenn diese Renner auch noch einen Rucksack tragen, anstelle einer stilvollen Aktenmappe. Aber darüber ein anderes mal.

Also voller Würde, aufrecht wie ein Mann, an der Haltestelle wartend. Auf das eigentlich gleich folgende Tram (um diese Tageszeit im 4-Minuten-Takt). Aber da kam nichts. Nicht nach vier Minunten und auch nicht nach 10. Personen die mich kennen, wissen, wie meine Laune relativ zur Zeit des nutzlosen Wartens, sank.

Formel: Je Wartend, desto sinkend.

Jetzt wäre dies alles ja kein Thema, wenn diese unsere VBZ sich veranlasst sähe, in einem solchen Fall zu informieren. Wie lange noch und warum und ob man sich allenfalls besser nach Alternativen umsähe und trotzdem einen schönen Tag und Danke, dass Sie mit uns fahren...oder stehen. Soetwas in der Art. Aber nein. Man lässt stehen. Geschlagene 23 Minuten. Ich hab´s gemessen. Weil! Zum erstenmal in meinem Leben einen geharnischten Brief schreiben wollend. Inhalt? Beschimpfung und Schuldzuweisung übelster Art und Weise. Ich hatte im Kopf alles schon entworfen. Quasi Weltuntergang, Skandal und so.

Nun gut, ein Tram kam dann doch noch. Natürlich Anschlusszug verpasst, trotz Rennen auf der Rolltreppe (und innerlich all die Steher verfluchend, weil, Prinzip ja flexibel) und letztendlich, in der Summe, 12 Minuten zu spät beim Termin. Das Gespräch wurde dann doch noch ganz erfreulich. Daher meine Laune etwas besser.

Jedenfalls, Abends zurück in Zürich, gedanklich immer noch am Brief gebastelt. Etwas milder zwar, aber immer noch deutlich in Ton und Sache. Und dann dies. Im Tram auf die nächste Haltestelle zuschaukelnd. Stress, aufgrund der Tageszeit, im und um das Tram. An der Haltestelle ein blinder Mensch. Erkennbar an der Krücke. Die er trug, zum Zeichen seines Handicaps, nicht die Krücken, die einem sonst so im Weg stehen. Und was macht der Chauffeur? Er steht auf, verlässt seinen Führerstand, öffnet die Türe und ruft ihm zu: "Dies sei dänn der 15er, im Fall"! Und ob er Hilfe brauche......?? Das der Dialekt kein Schweizerischer war, darüber schweigt man lieber....

Brief innerlich zerrissen.......... 

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