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Milano

Es gibt in Europa eine Handvoll Städte, die wir mehr oder weniger regelmässig besuchen. Eine dieser Städte ist Milano. Für uns in Zürich ist Milano näher gelegen, als zum Beispiel München. In knapp 3,5 Stunden ist man mit dem Zug mitten in der Stadt. Wenn dann seinerzeit der Gotthardbasis-Tunnel eröffnet wird und man am Monte Ceneri vorwärts kommt, werden es noch knapp 2,5 Stunden sein. Wenn der Zug fährt. Und nicht unterwegs stehen bleibt. Was er gerne immer mal wieder tut.


Mittlerweile hat jeder dieser Züge nebst dem obligaten Zugführer und den zwei Schaffnern auch einen Mechaniker an Bord. Dieser sorgt mit viel Enthusiasmus und Heftpflaster dafür, dass diese Chose bis zum Zielort zusammenhält. Manchmal komme ich mir vor wie in einem der Hollywoodstreifen, in einem sinkenden Schiff, das die Mannschaft versucht unter allen Umständen so lange wie möglich über Wasser zu halten. Und deren Anstrengungen meist in einer Sisyphus-Arbeit enden, weil, kaum ist ein Loch zu und geflickt, tut sich daneben ein Neues auf. Oder zwei, oder drei. Ich bin überzeugt, sie wissen von was ich spreche. So auch dieses mal. Das erste, was noch an unserem Abfahrtsort ausstieg, war die Kaffeemaschine im Zugrestaurant. Direkt, nachdem wir unseren Latte hatten. 

Ich würde ihnen nun gerne den Dialog wiedergeben, den der italienische Kellner zuerst mit sich, dann der Kaffeemaschine, anschliessend mit dem Bordmechaniker (der es nicht in den Griff bekam), dann mit diversen Heiligen der italienischen Kirche und zuletzt wieder mit sich selber führte. Leider muss ich davon ausgehen, dass auch jüngere Menschen diese Geschichten lesen. Nur so viel. Wir sassen direkt angrenzend an der Bordküche und bekamen jedes Wort mit. Im Detail. Ausführlichst. Gewisse Ausdrücke waren sogar mir neu. Und ich kenne so einige, seit ich einem Südländer mal aus Versehen, wirklich, nur aus Versehen, beim Werken mit dem Hammer auf den Finger klopfte. Und dann, der entscheidende Fehler. Eigentlich sollte ich es ja wissen. Aber es war wirklich nur ein ganz knappes, kaum wahrnehmbares, zustimmendes Nicken meinerseits auf eine Bemerkung des Kellners, deren Inhalt ich gar nicht mal verstanden habe. Ich schwör. Und schon glaubte dieser, in mir einen Leidensgenossen erkannt zu haben. Er begann mir die Geschichte der defekten Kaffeemaschine zu erzählen, die irgendwann in seiner Jugend irgendwo im tiefsten Süden ihren Anfang nahm. Auf Italienisch. Sie dauerte schon geraume Weile, wir waren in etwa bei seinem 20zigsten Lebensjahr und bereits irgendwo in Norditalien angesiedelt, bis er realisierte, dass ich ausser den locker hingestreuten Si? No? E vero? Ma! vermutlich gar kein Italienisch sprach. Auf das hin brauchten wir beide erst einmal einen Grappa. Es brauchte dann noch mehrere Anläufe, bis es mir gelang mich abzusetzen.

Der Puls also schon leicht über 100 und wir noch nicht einmal in Bellinzona. Ansonsten, Reise ganz erquicklich. Der Zug bis auf den letzten Platz ausgebucht. Italienische Familien auf den Weg zu ihren Liebsten. So muss es seinerzeit, anlässlich Hannibals Trip über die Alpen, ausgesehen haben. Nach dem obligaten Schneesturm. Unordnung in der Formation, Versprengte allenthalben, Ausrüstungsgegenstände lustig im Gelände verstreut....Chaos. Aber ein Herzliches. Wirklich. Wie unter Südländern üblich. Und das schätze ich so an ihnen. Allem noch ein Fitzelchen Positives abgewinnen können.

Das konnten auf der Rückfahrt ein paar Reisende weniger. Das Positive. Der Zug wieder bis auf den letzten Platz und darüber hinaus. Wieder ein Defekt. Jetzt aber nicht die Kaffeemaschine, sondern die Toilette. Also nur die Eine. Die in unserer unmittelbaren Nähe. Die hatte ein defektes Schloss. Das merkte man aber erst, wenn man drin war. Und wieder raus wollte. Und nicht konnte. Weil sich das Schloss verweigerte seinen Dienst zu tun. Ganz, ganz grosses Theater. Wirklich. Besonders bei den Ersten. Die Einen drinnen und konnten nicht raus, die Anderen draussen und konnten nicht rein. Beide Parteien proportional zur Dauer des Wartens, etwas ruppiger im Ton. Von drinnen nach draussen und draussen nach drinnen. In unterschiedlichen Sprachen. Weil die draussen meinten jetzt langt es aber langsam da drinnen und andere Leute müssten und wollten auch und die drinnen meinten auch es reicht jetzt langsam. Und man solle ihnen jetzt endlich Hilfe zukommen lassen. F A S Z I N I E R E N D! 

Die Hilfe kam dann in Form des bereits einmal erwähnten Bordmechanikers. Der, was soll ich Ihnen sagen, auch dieses Problem nicht in den Griff bekam. Dafür bekam er die Türe auf. Irgendwie. Und löste das Problem in dem er die Türe von aussen verschloss. Die sah nun verschlossen aus. Ganz normal. Sogar das rote Besetztzeichen brannte. Ansonsten kein Hinweis auf den Defekt. Sie ahnen was kommt…..ich konnte mich nicht satt sehen. Und hören….

Start in die Weihnachtstage für einmal etwas anders. Mailand war übrigens ein Hochgenuss.

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Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind. Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. …

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