Freie Marktwirtschaft im Kinderzimmer

Es beginnt eigentlich schon am Freitag. Der Nachwuchs ausgeflogen und wird erst am späteren Abend zurück erwartet. Was bedeutet, er geht nicht vor 23:00 Uhr ins Bett. Meine bessere Hälfte und mich veranlasst das zu kühnsten Spekulationen bezüglich ausschlafen am Samstag morgen. Weil, unsere Kinder unter der Woche, wenn sie müssen, nicht aus dem Bett kommen, aber Weekends, wenn sie könnten, partout nicht ausschlafen sondern um 07:00 schon Aktivitäten an den Tag legen. Darum, beim zu Bett gehen Rollladen runter, damit es am Samstag morgen möglichst lange dunkel bleibt und den Schlaf unserer Kids quasi künstlich verlängert. Soweit die Planung. Altgediente Elternpaare ahnen, was am Samstag morgen folgt.

Vermutlich träume ich noch. Meine innere Uhr sagt mir es KANN nicht viel später als 06:30 sein und irgendwo ahne ich im Delirium, dass heute Samstag sein muss. Also nicht arbeiten gehen müssen. Warum höre ich dann Geschirr klappern? Ergo? Traum! Ich dämmere wieder weg. Aber nicht völlig, weil auf das vermeintliche Klappern folgt......Stille...... fast schon gespenstische Stille....! An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Also doch mal vorsichtig die Augen öffnen und ……aaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh!!!!!! VINCENT!  Himmel!!

Im schummrigen Halbdunkel des Schlafzimmers steht, weiss Gott wie lange schon, unser Jüngster im Schlafanzug, bocksteif und still vor unserem Bett und starrt uns an, wie seinerzeit Nicholson in Shining von der Leinwand. Ich glaub ich hab einen Herzinfarkt.

„Seid ihr wach? Ich habe Frühstück gemacht!“ Kaum erholt vom Schreck, beschleicht mich neues Unbehagen. Frühstück gemacht? Oh Gott! Nicht dass ich kein Vertrauen in die Fähigkeiten meines Nachwuchses hätte, aber grundsätzlich traue ich ihm alles zu. Also hurtig aufgesprungen. Mit einem Bein in der Hose über den Bettvorleger stolpernd, segle ich in Richtung Küche……und sehe? Erst mal schwarz, dann Sternchen, dann vermutlich ziemlich dumm aus der Wäsche. Danach unseren Tisch, darauf vier Teller, zwei Messer, drei Wassergläser und….nix. Schwein gehabt. Kein Schlachtfeld, keine irreparablen Schäden. Alles gut.

Da nun eh schon einmal wach, vervollständige ich das „gemachte Frühstück“ mit den für uns bei einem Weekend üblichen Zutaten. Dabei akustisch untermalt von „Gesang“ meines Juniors, der in allen Zimmern Kund tut, heute ganz ALLEIN das Frühstück gemacht zu haben. Dies in einer Lautstärke, dass mir noch heute die Nachbarn verschwörerisch zublinzeln.

Der Hammer kommt dann während des eigentlichen Morgenessens. Nachdem noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen wurde, heute ganz alleine das Frühstück gemacht zu haben: „Papa, bekomme ich jetzt mehr Taschengeld“?

Die Marktwirtschaft ist definitiv auch in unserem Hause angekommen. ;-)

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