Neulich, auf dem Land

Jetzt ist schon wieder was passiert. So beginnen die Krimis eines Autoren, die ich sehr gerne lese. Mitunter auch dessen Stil, ja, zwar nicht gerade kopiere, aber mich doch davon inspirieren lasse. Kann ich nur empfehlen. Also die Bücher. Besonders jetzt, in der Zeit der langen Feiertage. Ausser Sie haben Besuch. Von Verwandten. Oder der Schwiegermutter. Aber dann vielleicht erst recht. Dem lieben Frieden willen. Sich mit einem Buch auseinandersetzen, als mit der Verwandtschaft in eine Auseinandersetzung zu geraten. Sie wissen was ich meine.
Das ist aber auch schon der einzige Tipp, den ich mir zur Weihnachtszeit erlaube. Andere schreiben ganze Ratgeber. Mehr oder minder humorvoll. Ein Tipp muss genügen. Oder auch zwei. Der Zweite? Lassen sie's ruhig angehen. Generell. Nicht nur Weihnachten. Das schon auch. Aber nicht nur. Es kommt wie's kommt. Sie können es eh nicht ändern. Ausser sie haben Glück im Unglück. Wie die Bewohner einer mittelgrossen Stadt in Süddeutschland. Dort hat man rechtzeitig zu Weihnachten eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. 3,5 Tonnen schwer. Also ein rechter Brummer. Mitten in der Altstadt. Was dazu führt, dass man diese, zwecks Entschärfung der Hinterlassenschaft, evakuieren muss. Komplett. Betrifft rund 50'000 Einwohner. Und deren Besuch. Macht man am ersten Weihnachtsfeiertag. Weil's dann nicht so viele Geschäftsleute trifft. Ist die offizielle Begründung. Ich sage, da hat sich Einer was anderes dabei gedacht. Bombe? Evakuierung? Toll! Klasse! Ich bin meinen Verwandtschaftsbesuch zu Weihnachten los. Der ist jetzt etwas böse. Nicht der Besuch. Die Behauptung, meine ich. Aber? Kann man's wissen? Eben.
Zurück zum Thema. Es passiert ja immer was. Mir zumindest. Zwar nicht gerade Bombe, aber immerhin. Wie neulich in einem Ort, in der Nähe von Bern. Kundenbesuch. Wieder einmal. Stehe an eben diesem Ort am Bahnhof. Gerade angekommen. Und warte auf den Bus, der mich weiter bringt. Mit mir warten noch Andere. Kermit, der Frosch. Miss Piggy. Gonzo, Fozzie Bär, Scooter auch. Waldorf und Statler sowieso. Ich vergleiche Personen ja immer gerne mit Charakteren aus der Muppet Show. Mich selber sowieso. Wer ich bin? The Animal, der Schlagzeuger. So sehe ich mich. Meine bessere Hälfte sieht mich wohl eher als Swedish Chef. Aber das ist eine andere Geschichte.
Also. Alle die, die stehen da und warten. Und eine dunkelhäutige Frau, ganz in weiss. Mit einem Einkaufswägelchen. So zum hinterherziehen. Auf zwei Rädern. Die steht auch da und wartet. Die Sonne scheint, die Leute freundlich zueinander. Alles gut. Jemand bietet der Dame in weiss sogar seinen Sitzplatz auf der Wartebank an. Friedliche Stimmung auf dem Land. Ich liebe das Leben. Der Bus kommt. Ich steige zuletzt ein und stelle mich in den freien Raum in der Mitte des Buses. Die Dame in weiss zögert ein bisschen, bleibt aber draussen. Und jetzt spannend. In Zürich wäre es jetzt so, dass sich die Türen schliessen, der Bus seine Fahrt fortsetzt und nach 50 Metern wüsste ich nicht mehr, wer da alles an der Haltestelle stand. Nicht so auf dem Land. Man kennt sich offensichtlich. Der Fahrer begrüsst jeden Gast persönlich und per Namen. Das man sich nicht auch noch die Hand schüttelt. Aber das spielt gerade keine Rolle. Zurück zum Fahrer. Der sieht nicht nur seine Gäste innerhalb des Busses. Nein, er sieht auch die Dame in weiss. Auch ihr zögern. Und stellt den Motor ab. Das wird ja interessant, denke ich bei mir. Dabei überhöre ich die erste Durchsage. Bis Waldorf und Statler mich anstupsen und sich folgender Dialog entspannt:

Waldorf und Statler zu mir:   Sie da! Der meint Sie!
Busfahrer (über Lautsprecher):   Sie da! Ja, Sie! Im braunen Mantel. Fragen Sie bitte mal die Dame in weiss, wo sie hin will.
Ich (überrascht und überrumpelt):   Äehm, Sie, Hallo. Ich soll sie fragen, wo sie gerne hin möchten?
Dame in weiss:   Ich Alti.
Ich:   Ach? So alt schauen Sie aber gar nicht aus. Und zum Busfahrer: Sie sagt Sie sei eine Alte?
Dame in weiss:   NICHT ALTI! Ich A L D I.
Busfahrer (Schüttelt den Kopf, verdreht die Augen und denkt sich dabei „ZÜRCHER!! Ich schwör): Nein! Sie sagt nicht Alti, sie meint ALDI. Und sie soll einsteigen, er fahre am ALDI vorbei.
Ich:   Sie können einsteigen, er nimmt sie mit.
Dame in weiss steigt ein (noch etwas entzürnt):   Du selber Alti!
Passagiere, insbesondere Waldorf und Statler:   Mildes Lächeln, wegen der Dame, und leichtes Kopfschütteln, wegen des Zürchers.


Es passiert halt immer was! Frohe Weihnachten Ihnen allen.


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