Neukunden

Beruflich gehört Bern zu einer meiner Hauptwirkungsstätten. Einfach weil Polit-zentrale des Landes. Da ich ziemlich oft vor Ort bin, kenne ich es fast so gut wie Zürich. Und ich muss sagen. Mir gefällt beides. Besonders die Schrullen, die beide haben. In Bern zum Beispiel der Versuch, die Passantenströme im Bahnhof zu entwirren und in geordnete Bahnen zu lenken. Es gibt dazu zwei Ansätze.
Jetzt muss man wissen, Platz hat es eigentlich genug. Der Gang unter den Gleisen ist so dimensioniert um diese aufzunehmen. Nur, der Schweizer als solches lässt sich nicht gerne etwas vorschreiben. Schon gar nicht, wie er wo zu laufen hat. Oder in welche Richtung. Das ist seit Urzeiten so. Das mit den Vorschriften. Mit dem Laufen vermutlich auch. Das weiss auch die Berner Obrigkeit. Und lies in eben diesem Gang Pfeile aufmalen. Die sollen dem geneigten Passanten zeigen, auf welcher Seite des Ganges er sich zu bewegen hätte und in welche Richtung. Man unter lies es aber, gleichzeitig auch klar darauf hinzuweisen, diese Pfeile seien nur eine Empfehlung. Wie rote Ampeln. Die sind dann vermutlich auch nur eine Empfehlung. Und man müsse sich auch nicht unbedingt daran halten. Man will ja den potentiellen Wähler nicht verärgern. Das Ergebnis? Keines. Ausser vielleicht einem zufriedenen Malermeister. Resultat aber keines. Passanten freuten sich über Pfeile und frische Farbe, liefen aber dennoch dort, wo es ihnen passt. Tatsächlich herrscht über diesen Umstand nun grosse Verwunderung bei den Planern. Sofort dachte mach sich einen noch genialeren Plan aus. Ampeln. Es gibt nun über den Aufgängen zu den Perrons Ampeln. Eine Rote und eine Grüne. Sie ahnen es schon? Man harrt jetzt dem Ergebnis dieser Massnahme. Ich fürchte, ich kann es schon vorwegnehmen, möchte ihnen aber den Spass nicht verderben.
Und glauben Sie mir, es liegt nicht daran, dass man, um den Sinn solcher Aktionen zu verstehen, halt etwas mehr bräuchte, als den Intelligenzquotienten eines Sesam Krackers. Und es darum scheitert. Weil zu wenig Kracker. Ich schwör. Nein, es liegt an der renitenten Grundhaltung der Schweizer. Sich ja nichts sagen lassen.
Wie gesagt, ich liebe Bern und dessen Einwohner und freue mich immer wieder über einige Anekdoten, wenn ich vor Ort bin. Wie zum Beispiel letztens. Im Lokal eines weltweit tätigen Kaffee-Verteilers. Den Namen lassen wir jetzt mal beiseite. Wichtig zu wissen ist nur, man wird prinzipiell mit Vornamen angesprochen. Die Meisten, die dort verkehren, die wissen das. Ausser der etwas ältere Herr vor mir. Der gab im breiten Berndeutsch seine Bestellung auf. Ich dachte schon "oh, ein Insider". Bis ihm die Dame hinter der Kasse nach seinem Namen fragt. Es entspann sich folgender Dialog:

Dame: Ist das alles?
Berner: Ja
Dame: Dein Name bitte?
Berner: Vor- oder Nachname? ;-)

Nicht nur der Dame hinterm Tresen schlich sich ein Lächeln ins Gesicht.

Dame: Wir nehmen in der Regel den Vornamen
Berner, nach kurzem Zögern: Dann nehmen sie doch bitte den Nachnamen!

Von wegen, man will sich ja nichts vorschreiben lassen ;-)

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