Jetzt schlägt's Dreizehn

Man sagt mir nach ich sei gelassen. Relativ gelassen. Das ist erstens subjektiv und zweitens, nun ja, relativ. So wie das Leben an und für sich relativ ist. Aus der Sicht eines Lottogewinners relativ schön, aus Sicht eines ernsthaft Erkrankten relativ beschissen. Sowie die Stadt aus Sicht eines Nachtwanderers relativ attraktiv, weil meistens ruhig. In der Nacht. Wenn nicht gerade Böögg verbrennete oder so. Kleiner Einschub an dieser Stelle. Unverständnis auf Seiten meiner schwedischen Bekannten. Wie wir Zürcher so etwas nur tun könnten. Man hielt uns bis anhin eigentlich für weltoffen und so. Aber das ginge dann doch zu weit. Mein Erstaunen darüber? Relativ gross. Können sie sich vorstellen. Aufklärung tat Not und folgte auf dem Fuss. Als Bög bezeichnet man in Schweden Homosexuelle. Ob negative Bezeichnung oder nicht, aber das man die bei uns auf einen Scheiterhaufen stelle und gleich verbrennen müsse..... Zu diesem Eindruck trugen dann auch noch Bilder von Männern in Strumpfhosen bei. Ich hab's dann klar gestellt. Nach meinem Lachanfall. Lachanfall über die Annahme einiger Schweden, nicht wegen Homosexueller oder Männer in Strumpfhosen. Ich bin liberal, in meinem Denken und allgemein Traditionen verbunden. Also bitte. 
Wir waren bei relativ. Relativ spannend finde ich auch den Versuch, neuerdings Drogenkontrollen bei Autofahrern gleich vor Ort, also im Auto, anhand der Reaktion derer Pupillen ablesen zu wollen. Die der Autofahrer! Nicht die der Polizisten, wenn diese ins Auto blicken und dabei einen Vollbesoffenen oder eine 18köpfige Schleusergruppe aus dem Balkan entdecken. Also wenn mich eine Kontrolle in der Nacht aus dem fliessenden Verkehr ziehen und mir dann mit einer Taschenlampe im Gesicht herumzeuseln würde??? Meine Pupillen würden ganz von selber.....
Aber ich wollte ganz woanders hin. Jetzt nicht wegen fliessender Verkehr. Mehr wegen dieser Gelassenheit. Der relativen.
Letztens im Niederdorf. Tagsüber. Zwischen zwei Terminen noch schnell kurz spitz 5 Minuten Zeit. Also hurtig eine Kommission machen. Geht razfaz. Wollte ja nur etwas ganz Bestimmtes.  Zwei Minuten. Höchstens. Ihnen sicher auch schon so ergangen. Also rein in den Laden, 10 Sekunden, Artikel geschnappt, 10 Sekunden, runter zur Kasse gerannt, 10 Sekunden, bezahlen und raus, 10 Sekunden.......! So der Plan. Respektive die Absicht. Auf den letzten 3 Metern vor der Kasse! Keine Ahnung, wo die auf einmal her kam. Wirklich! Ich schwör!  Geschätzte 100 Jahre alt. Oder fast. Schneidet mir den Weg ab und pflanzt sich vor mir an die Kasse. Blickt mich an. Mit einem Ausdruck in den Augen. Ich sage ihnen. Und jetzt. Gute Erziehung. Selbstverständlich dürfen sie. Machen sie nur. Aber sicher keine Ursache. Gerne doch. 10! NICHT Sekunden! MINUUUUTEN. 10 Minuten, bis Madam begriffen hat, das Laden zwar noch gleiches Sortiment, aber anderer Besitzer (und Namen) und daher ihre Kundenkarte für ihre fünffrankenachtzig nicht mehr gelte. Und dann noch einmal gefühlte 10, bis sie alles Münz hervorgekramt hatte. Das dann doch nicht reichte und sie mit einer Note bezahlte. Und natürlich. KEINE zweite Verkäuferin. Ich kann Ihnen sagen. Gelassenheit? Relativ!

Und meine Pupillen? Zum Glück keine Polizeikontrolle.



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